Für dieses Problem hätte Swamynathan Krithivasan ein Teil der Lösung sein können. Der 27-jährige Inder mit einem Master-Abschluss in Software-Engineering arbeitet für die indische Niederlassung des deutschen IT-Dienstleisters GFT. Er testet dort neue Computerprogramme auf ihre Zuverlässigkeit.
Doch das zuständige deutsche Konsulat im indischen Chennai machte wenig Hoffnung: Bevor eine befristete Arbeitserlaubnis erteilt werden könne, müsse die Bundesagentur für Arbeit erst einmal eine "Vorrangprüfung" durchführen; es müsse ausgeschlossen werden können, dass die Stelle auch mit einem hiesigen Bewerber besetzt werden könnte. Voraussichtliche Bearbeitungszeit: zehn Wochen. Chancen auf Erteilung eines Visums: ungewiss.
So lange mochte der Kunde in Frankfurt nicht warten. GFT bekam den Auftrag nicht. Die Bank installierte ihre neue Software ohne automatisches Testsystem. Ausfälle und unzufriedene Kunden waren die Folge. GFT-Chef Dietz: "Ein Lehrbuchbeispiel, wie bornierte Zuwanderungspolitik volkswirtschaftliche Wertschöpfung verhindert."
Langfristig könnten die Zuzugsbeschränkungen sogar dazu führen, dass GFT noch mehr Arbeitsplätze ins Ausland verlagert: "Wenn ich neue Software in Deutschland mangels Personal nicht vernünftig testen kann, dann muss ich meine Softwareentwicklung eben dahin bringen, wo die Tester sitzen."