Von Wolfgang Hirn und Henrik Müller
Es ist nicht so, dass Wei Luan, der seit fast zwei Jahrzehnten in der Bundesrepublik lebt und inzwischen deutscher Staatsbürger ist, seine chinesische Herkunft verleugnen würde. Er trägt eine traditionelle hochgeschlossene Jacke. In seinen Büros stößt man auf folkloristische Objekte: kämpfende Drachen aus Wurzelholz, angreifende Adler aus Jade, einen Elefantenstoßzahn, aus dem eine Gartenlandschaft herausgeschnitzt ist.
Häppchenweise Heimat mitten in einem grauen Düsseldorfer Gewerbegebiet. Doch bei aller Chinaverbundenheit hat sich Wei Luan einen urdeutschen Vornamen gegeben: Wolfgang.
Er ist das personifizierte deutsch-chinesische Joint Venture.
Derzeit ist Luan auf dem Sprung zu seiner nächsten Entwicklungsstufe - und mit ihm springt die ganze chinesische Volkswirtschaft. Es geht um den groß angelegten Einstieg bei westlichen Unternehmen. Es geht um den Transfer von Technologien. Es geht um den endgültigen Aufstieg Chinas zur Weltwirtschaftsmacht ersten Ranges.
Als China sich in den 90er Jahren mehr und mehr für ausländische Investoren öffnete, stieg Wei Luans Firma - die den etwas großsprecherischen Namen Famous Industrial Group trägt - in den Export von deutschen Maschinen ein und in die Beratung deutscher Unternehmen auf dem schwierigen chinesischen Markt.