23.04.2007
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DaimlerChrysler

Die Quittung

Von Peter Brors, Michael Freitag und Dietmar Student

20 Jahre strategische Irrfahrt und Managementfehler haben DaimlerChrysler verwundbar gemacht. Dutzende Milliarden Euro sind verbrannt worden. Was soll jetzt aus Mercedes werden?

Der Mann ist bekannt dafür, das Unmögliche zu wagen und dabei nicht nach rechts oder links zu schauen. Und er hat noch einige Rechnungen offen in der deutschen Autoindustrie. Wolfgang Bernhard (46) wurde einst bei DaimlerChrysler Chart zeigen fortgejagt, weil er die Wahrheit gesprochen hatte ("Mercedes ist ein Sanierungsfall"). Bei Volkswagen Chart zeigen ging er selbst, nachdem er die Wahrheit erfahren hatte (Martin Winterkorn wird neuer Chef).

Jetzt kann Bernhard eine Rechnung begleichen. Dafür ist er in die Dienste des Private-Equity-Unternehmens Cerberus getreten, ein Job, der zwar nach Vorhölle klingt, ihm aber wohl himmlische Verdienste beschert. Und der ihm die Möglichkeit eröffnet, einen Teil seines Ex-Arbeitgebers zu erwerben.

Denn DaimlerChrysler-Chef Dieter Zetsche (53) bietet seine kriselnde US-Tochter feil. Seit Mitte März sind für Bewerber die wichtigsten Chrysler-Zahlen einzusehen.

Der Verkauf der US-Tochter Chrysler könnte sich für den Autokonzern DaimlerChrysler allerdings als Verlustgeschäft erweisen. Bislang ist nämlich keiner der Interessenten bereit, einen positiven Kaufpreis zu bezahlen.

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Die Bieter haben zwar Milliardensummen offeriert, sie wollen jedoch die Milliardenlasten aus Gesundheitsversorgung und Lebensversicherungen der Chrysler-Mitarbeiter nicht übernehmen. Diese ungedeckten Zukunftskosten belaufen sich auf rund 14 Milliarden Dollar. Müsste Daimler dieses Loch stopfen, erwiese sich der Milliardenzufluss schnell als Verlustgeschäft.

Über einen Chrysler-Kauf verhandeln drei Bieterkonsortien, die sich um den kanadischen Autozulieferer Magna sowie die Finanzinvestoren Cerberus und Blackstone gebildet haben. Auch der amerikanische Milliardär Kirk Kerkorian hatte ein Gebot abgegeben, gilt aber als klarer Außenseiter.

Die Bieter misstrauten den Prognosen für Chrysler, heißt es in Konzernkreisen. Der Geschäftsplan für den Autohersteller sei der Knackpunkt der Verhandlungen. DaimlerChrysler hatte angekündigt, die angeschlagene Tochter werde 2008 wieder schwarze Zahlen schreiben. Die Bieter beurteilen die langfristigen Aussichten aber offenbar weniger optimistisch.

Dennoch wird Konzernchef Dieter Zetsche den Verkaufsprozess kaum mehr stoppen. Zetsche will durchsetzen, dass Daimler einen Minderheitsanteil an Chrysler behält.

Trotz der Differenzen hinsichtlich des Preises erwartet sein Team einen schnellen Abschluss. Es sei gut möglich, dass der Verkauf im Mai perfekt gemacht werde, berichten Mitglieder der Konzernspitze.

Würde Zetsche mit einem der Interessenten handelseinig, wäre ein teures Abenteuer für die Schwaben beendet, nach knapp zehn Jahren vergeblichen Sanierens. Eine gigantische Geldvernichtung, die - und das ist der eigentliche Skandal - typisch ist für Daimler.

Von 1985 bis heute hat der Konzern, das zeigen die Bilanzen, mehr als 60 Milliarden Euro verbrannt. Aufsichtsräten zufolge ist die Summe sogar bedeutend höher. Generationen von Strategen, Sanierern und Visionären arbeiteten sich an Daimler ab - ohne Erfolg.

Der frühere Firmenchef Edzard Reuter (79), dessen Idee von einem integrierten Technologiekonzern grandios scheiterte, ging als größter Kapitalvernichter in die deutsche Nachkriegsgeschichte ein. Bis ihm sein Nachfolger Jürgen Schrempp (62) dieses Etikett streitig machte, als seine Welt AG zusammenbrach.

Wie konnte es so weit kommen? Wie konnte Deutschlands einst strahlendster Industriekonzern zum Synonym für Missmanagement werden?

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