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23.04.2007
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Haftstrafen

Karriere aus dem Knast

Von Helene Endres

3. Teil: "So eine Art billiges Hotel"

"So eine Art billiges Hotel"

Stattdessen sitzen sie in Gefängnissen, einer in einer Einzelzelle, der Zweite mit drei anderen zusammen, der Dritte ohne Tageslicht, und geben in Briefen per Kugelschreiber Orders für das tägliche Geschäft. Anweisungen, die gern mal zehn Tage unterwegs sind, je nachdem, wie schnell der Staatsanwalt gegenliest und freigibt.

Bauhaus-Bau: Zelle der JVA Freiburg
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Bauhaus-Bau: Zelle der JVA Freiburg

Die drei Männer in U-Haft wissen, es kann nur besser werden - selbst wenn sie verurteilt werden sollten: Dann können sie offenen Vollzug beantragen, um tagsüber dem Beruf außerhalb des Gefängnisses nachzugehen. Zum Schlafen müssen sie zurück in die Zelle. Sogenannte Freigänger können durchaus eine Firma leiten, trotz Knast. Wirtschaftskriminelle haben im Gegensatz zu Drogendealern oder Vergewaltigern gute Chancen auf diese entspanntere Haftform: Sie haben einen Beruf, in den sie zurückkehren könnten, gelten meist nicht als Wiederholungstäter, und eine Gefahr für die Allgemeinheit stellen sie in der Regel auch nicht dar.

Bodo Schnabel wurde 2002 zu sieben Jahren Haft verurteilt, 2004 kam er in den offenen Vollzug. Er wurde dafür in ein sogenanntes Freigängerhaus verlegt. "Das war ein ganz normales Haus wie so eine Art Jugendherberge oder billiges Hotel. Wir hatten keine Zellen, sondern Zimmer, konnten gemeinsam kochen, es war alles offen", sagt Bodo Schnabel.

Morgens fuhr er mit dem eigenen Auto zur Arbeit. "Ich konnte dort vernünftig arbeiten, das tägliche Geschäft war kaum beeinträchtigt. Nur wenn ich das Büro verließ, brauchte ich eine Genehmigung, egal ob das ein Geschäftsessen war oder ein Besuch beim Arzt oder Anwalt. Abends musste ich pünktlich zurück im Freigängerhaus sein und das Handy abgeben." Sein Gehalt ging an die Justiz, er bekam lediglich 150 Euro ausbezahlt.

Schnabel gründete zusammen mit Geschäftspartnern noch im offenen Vollzug Nanomatic, eine Softwareentwicklungs-Firma. Als Freigänger war er voll geschäftsfähig, allein an den Meetings im Ausland durfte er nur per Telefonkonferenz oder via Webcam teilnehmen. "Es ging vielleicht alles etwas langsamer, aber es ging", sagt er.

2005 wurde Schnabel vorzeitig aus der Haft entlassen. Es war ein sanfter Übergang in sein neues altes Berufsleben.

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