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24.04.2007
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Coaching

Die Stunde der Scharlatane

Von Klaus Werle

9. Teil: Neun Monate sind genug

Auch bei PwC, wo ein Coaching meist fünf bis zehn zweistündige Sitzungen umfasst, ist es "längst kein Makel mehr, sich coachen zu lassen", sagt Lörler, "es gilt im Gegenteil als Ausweis, dass die Firma noch etwas mit der Führungskraft vorhat".

"Ein Coaching dauert meist sechs bis neun Monate - nur in Ausnahme- fällen ist eine längere Dauer sinnvoll." Christopher Rauen, Coaching-Experte (mm 3/2007 S. 158) Die neue Beliebtheit birgt allerdings auch Risiken. Zwar sind befehlsgewohnte Führungskräfte vielleicht weniger anfällig für Esoterik - doch sie stehen vor der Frage, wie sie einen seriösen Coach finden. Und die Nähe der Coaching-Situation birgt auch für sie Risiken. Etwa wenn der Coach gleichzeitig als Headhunter arbeitet - und die intensiven Gespräche nutzt, um dem Klienten die berufliche Veränderung schmackhaft zu machen.

Das größte Risiko aber ist die Gefahr der Abhängigkeit. "Ein Coaching dauert meist sechs bis neun Monate - nur in Ausnahmefällen ist eine längere Dauer sinnvoll", sagt der Experte Christopher Rauen. Manche Topmanager aber lassen sich über mehrere Jahre vom gleichen Berater coachen, werden immer unselbstständiger, rufen wegen jeder Kleinigkeit an oder verlassen sich bei Personalentscheidungen auf den Coach.

Aus dem eigentlich gleichwertigen Verhältnis wird eine Meister-Jünger-Beziehung. Der Coach wird zur grauen Eminenz, zum Einflüsterer mit guruartiger Kontrolle, der selbst der Nähe zur Macht erliegt.

Wie der Mann, der viele Jahre den Personalvorstand eines Chemiekonzerns coachte und diesen überredete, für Hunderttausende Euro seine Methode für ein 360-Grad-Feedback für Führungskräfte zu übernehmen - obwohl der Konzern ein eigenes Instrument hatte.

Richtig gefährlich - auch für die Firma - wird die Abhängigkeit, wenn der Coach allwissend und überheblich auftritt und wie ein Missionar für jedes Problem die gleiche Lösung anbietet: Wenn das einzige Werkzeug ein Hammer ist, dann sieht alles wie ein Nagel aus.

Coaching ist nun mal Beziehungssache. Deshalb sind nicht nur die Anbieter Teil des Scharlatanerieproblems, sondern auch die blauäugigen Kunden. "Es gibt ein großes Bedürfnis nach Unfug", sagt Christopher Rauen. Ein Guru braucht eben immer auch jemanden, der ihm bereitwillig folgt.

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