Von Anne Preissner
Wenn Tische online gehen
Wie vernetztes Mobiliar die Zusammenarbeit fördert
"Be there now", ruft René Obermann (43) seinen Führungskräften zu, wenn er bei Besprechungen digitale Absenz vermutet. Ein Problem, das nicht nur den Telekom-Chef plagt. Ausgerüstet mit Notebooks oder PDAs, folgen so manche Sitzungsteilnehmer weniger den Ausführungen des jeweiligen Referenten, sondern nutzen die Zeit, um Mails zu beantworten, im Web zu surfen oder ein Spiel zu starten.
Mit neuen Konzepten versucht das Darmstädter Fraunhofer Institut IPSI im Verbund mit der ETH Zürich und dem niedersächsischen Büromöbelhersteller Wilkhahn seit Ende der 90er Jahre, Digitaltechnik sinnvoll in Meetings einzusetzen. Da sich die Erledigung individueller Aufgaben bei leitenden Mitarbeitern meist in die Bahn, das Flugzeug oder das Heimbüro verlagert hat, wandelt sich auch der Charakter von Bürogebäuden.
"Die Firmensitze der Zukunft werden in erster Linie Orte der Kommunikation und Kooperation sein", prognostiziert Norbert Streitz, Gründer und langjähriger Leiter des Forschungsbereichs "Smart Environments of the Future" am Fraunhofer Institut. Geradezu anachronistisch kommen ihm derzeitige Formen des Meinungsaustausches vor: Flipchart-Erläuterungen, Powerpoint-Monologe oder Metaplan-Kärtchen. "Die Vorteile moderner Technik werden bei Weitem nicht genutzt", kritisiert er.
Streitz' Vision: Sogenannte "kooperative Gebäude", die, von unsichtbaren Computern gesteuert, neue Formen der Zusammenarbeit ermöglichen - sowohl innerhalb einer Firma als auch mit externen Teilnehmern. Im Vordergrund stehen Displays, die den Zugriff auf Informationen erlauben, deren Inhalte per Finger oder Stift verändert werden können und die sich vernetzen lassen.
Erste Produkte haben die Fraunhofer-Forscher zusammen mit Wilkhahn bereits zur Serienreife gebracht. Das Unternehmen Foresee, 2005 von Wilkhahn ausgegründet, vermarktet interaktive Tische sowie digitale Flipcharts. Noch im Entwicklungsstadium sind "sprechende Wände" - hochauflösende Plasmabildschirme, die sich mit Audio- und Videotechnik verknüpfen lassen.
Was futuristisch anmutet, birgt unmittelbaren Nutzen: In Echtzeit können Konferenzteilnehmer - etwa Architekten, Projektleiter und Bauherren - von verschiedenen Standorten aus Änderungen an den Vorlagen vornehmen und auf nötige Informationen zugreifen. Per Knopfdruck werden die Ergebnisse der Besprechung allen Beteiligten elektronisch zugesandt.
Käufer findet Foresee-Geschäftsführer Frank Sonder für seine Produkte derzeit vor allem außerhalb Westeuropas - in Korea, Dubai und Russland. Immerhin, auch Siemens, Bertelsmann und ein Autozulieferer aus dem Süddeutschen konnten sich bereits für interaktives Mobiliar erwärmen.
© manager magazin 3/2007
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