Von Anne Preissner
Meist verzichtet der Nokia-Manager auf die Begleitung eines Technikers, wenn er Partner oder Kunden besucht. Giesswein stellt nur die mobile Erreichbarkeit des Experten sicher und kontaktiert ihn, falls er fachlichen Rat oder spezielle Unterlagen benötigt.
So effizient wie Giesswein nutzen heute alle Nokianer, die nicht in der Produktion arbeiten, ihre mobilen Helfer. Jeder Büro- und Vertriebskollege ist mit einem Gerät ausgestattet, das auf seine speziellen Kommunikationsbedürfnisse zugeschnitten ist. Das scheint selbstverständlich bei einem Hersteller von Mobiltelefonen - doch auch beim Handyriesen reifte die Erkenntnis, dass mobile Lösungen Wettbewerbsvorteile bringen können, relativ spät.
Vor knapp sechs Jahren setzte das Umdenken ein. Eine firmeninterne Erhebung hatte ergeben, dass durchschnittlich die Hälfte aller Mitarbeiter nicht am Arbeitsplatz saß, sondern auf Reisen, in Meetings oder im Hause unterwegs war. Pro Monat waren die Schreibtische gerade mal 36 Stunden besetzt - und die Kollegen nicht erreichbar.
Eine unglaubliche Verschwendung von Ressourcen, befand der damalige Nokia-CEO Jorma Ollila (56). Sein Entschluss, das Werbemotto "Connecting People" stringent im eigenen Konzern umzusetzen, war schnell gefasst.
Vor der Umsetzung standen jedoch die Bedenkenträger - auch im Management: Mobile Technik sei viel zu komplex und unsicher, so ihre Befürchtung. Die Produktivität könne durch virtuelle Zusammenarbeit spürbar abnehmen, warnten sie. Und nicht zuletzt würden hohe Mobilfunkkosten die Einsparungen durch weniger Büroraum auffressen.
"Keiner der Einwände hat sich im Rückblick als richtig erwiesen", resümiert Giesswein. Die Reduzierung der festen Arbeitsplätze zugunsten von "geteilten Schreibtischen" mit WLan-Anbindung (Shared Desks) erhöhte die monatliche Auslastung der fixen Büros auf 160 Stunden. Allein im Unternehmensbereich Nokia Networks wurden nach Firmenangaben durch Einsatz mobiler Lösungen bei Reparatur und Wartung pro Jahr fünf Millionen Euro eingespart.
© manager magazin 3/2007
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