Von Ulric Papendick
Der Mann, der die größte Bank der Welt erschaffen will, ist nervös. Ken Lewis (59) umgreift die Stuhllehne auf der Suche nach Halt, das Lächeln wirkt angestrengt, die Worte bleiben ihm im Halse stecken. Die Fragen, wie sein Geldhaus in Europa vorankommen will, beantwortet er nur zögernd.
Der Chairman, CEO und President der Bank of America
Doch hier sitzt einer der erfolgreichsten Banker der Welt. Die Zahlen sprechen für ihn: Nur fünf Firmen auf dem Globus - die Ölriesen Exxon, Royal Dutch/Shell und BP, der Mischkonzern GE sowie die Citigroup - erwirtschaften höhere Gewinne als die Bank of America.
Entsprechend muskelbepackt präsentiert sich das Geldhaus in seiner Heimat Charlotte, einem Städtchen im US-Bundesstaat North Carolina. Dicht gedrängt stehen die Porsches, BMW-Cabriolets und Mercedes-Coupés in der Tiefgarage, breit sind die Reifen, fett die Auspuffrohre.
Darüber ragt die Firmenzentrale empor, 265 Meter hoch, der mit Abstand prächtigste Wolkenkratzer in Charlotte.
60 Stockwerke haben die Geldmanager aufgeschichtet, dabei gäbe es in der Südstaaten-Gemeinde reichlich Platz, um in die Breite zu bauen.
Keine Frage: In ihrer Heimat ist die "BofA", sprich "Bii off Ey", wie die Bank hier genannt wird, eine Macht. Mit Ehrgeiz, Fleiß und einem geradezu besessenen Hang zum Perfektionismus haben Lewis und seine Führungscrew die ehemalige Regionalbank zu einem der größten Geldinstitute der Welt ausgebaut.