Von Wolfgang Hirn, Christian Rickens und Jörn Sucher
Die Struktur: Das Handelsimperium des Dieter Schwarz umfasst ein selbst für Lidl-Führungskräfte verwirrendes Geflecht aus Firmen und Stiftungen. Allein der Bereich Lidl (Umsatz: 30 Milliarden Euro) besteht aus mehr als 300 Einzelunternehmen. Hinzu kommt die Selbstbedienungs-Warenhauskette Kaufland (12,8 Milliarden Euro). Hauptgrund für die Zersplitterung: Die Schwarz-Gruppe soll nicht als einheitlicher Konzern eingestuft werden, denn dann würde sie der Publizitäts- und Mitbestimmungspflicht unterliegen.
Die Führung: Alle Kontakte zwischen Dieter Schwarz und Lidl laufen über den Lidl-Aufsichtsratschef Klaus Gehrig, Schwarz tritt bei Lidl kaum in Erscheinung. Bei Kaufland hingegen, wo Gehrig auch AR-Chef ist, mischt Schwarz sich regelmäßig ins Tagesgeschäft ein. Mit Erfolg: Anders als Lidl hat die hoch profitable Kaufland-Gruppe ihren flächenbereinigten Umsatz in Deutschland auch 2006 gesteigert.
Die Kultur: Bei Lidl und Kaufland haben sich im Laufe der Jahre völlig unterschiedliche Unternehmenskulturen herausgebildet. Bei Kaufland herrscht ein eher kollegialer Führungsstil. Anders als bei Lidl gibt es bei Kaufland zahlreiche Betriebsräte, die auch nicht über eine Behinderung ihrer Arbeit klagen. In den letzten Wochen räumten allerdings auch zwei Kaufland-Vorstände ihre Posten.
Die Nachfolge: Dieter Schwarz hat zwei Töchter, doch es stand frühzeitig fest, dass keine von ihnen die Nachfolge ihres Vaters an der Spitze der Gruppe antreten würde. Eine Festlegung, die Schwarz dem Vernehmen nach inzwischen bereut. Für die Ära nach Schwarz wird der Stiftungsrat vermutlich einen Familienfremden an die Spitze der Gruppe berufen.
Die Stiftung: Die Dieter-Schwarz-Stiftung, an die ein Großteil der Lidl-Gewinne fließt, finanziert mit ihren Ausschüttungen vor allem Wissenschaftsprojekte. Dazu zählen unter anderem die Heilbronn Business School und eine Stiftungsprofessur an der Universität Halle-Wittenberg. Angesichts des Führungsstils bei Lidl entbehrt das dort geförderte Fachgebiet nicht einer gewissen Ironie. Es handelt sich um einen Lehrstuhl für Wirtschaftsethik.
© manager magazin 2/2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH