Die Fraunhofer-Gesellschaft ist eine weltweit einmalige Wissenschaftsorganisation. Sie betreibt angewandte Forschung, finanziert sich zu zwei Dritteln aus Auftragshonoraren und gehört zu den wichtigsten Ideenlieferanten für die Hightech-Branchen.
Doch außerhalb des akademischen Betriebs kennt kaum jemand die führenden Köpfe der 58 Fraunhofer-Institute. Deren Labors liegen oft in entlegenen Industriegebieten der deutschen Provinz; die Professoren arbeiten im Stillen. Der dezente Diskurs unter Fachleuten - das ist ihre Welt.
Das könnte sich nun ändern. Eicke Weber, seit Sommer der neue Leiter des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (ISE) in Freiburg/Breisgau, will eine Grundlage der Industriegesellschaft umkrempeln: die Energieversorgung. Hierzu führt er amerikanische Sitten in die honorigen Professorenzirkel ein. Weber lehrte 23 Jahre lang Physik an der Eliteuniversität im kalifornischen Berkeley, zuletzt als interdisziplinärer Ordinarius für Nanowissenschaften und -Ingenieurwesen.
Sein Vorhaben geht weit hinaus über die technischen Spitzfindigkeiten, in denen sich auch Fraunhofer-Forscher bisweilen verlieren. Weber geht es um die globale Zukunft. "In den nächsten zehn Jahren", sagt der Materialwissenschaftler, "wird sich entscheiden, ob die Menschheit die Klimakatastrophe noch einmal abwenden kann."
Der gebürtige Franke, der seine Rückkehr in den deutschen Forschungsbetrieb bis zu dem Fraunhofer-Angebot kategorisch ausgeschlossen hatte, hat sich vorgenommen, "von Freiburg aus an dieser großen Aufgabe mitzuwirken".
Und er hat eine kühne Vision: In den kommenden Jahrzehnten soll die Sonnenenergie einen immer größeren Anteil des Strombedarfs decken. Eine Solarstromquote von einem Fünftel sei nicht zu hoch gegriffen, findet der Professor, auch nicht im sonst eher trüben Deutschland.
© manager magazin 1/2007
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