Von Sibylle Zehle
Die Hellsichtigkeit beim Fasten schätzte zum Beispiel ein Verleger wie Siegfried Unseld. Im Frühjahr und Herbst kam er regelmäßig zum Fasten, las viel und arbeitete an seinen Manuskripten. Er hat es geliebt. Die Apathie der ersten Tage genauso wie die Umstellung auf geistige Nahrung und dann die Euphorie: Literatur, Musik, die Schönheit der Natur, alles fühlt sich beim Fasten intensiver an. "Jeder kann zaubern, jeder kann seine Ziele erreichen, wenn er denken kann, wenn er warten kann, wenn er fasten kann", umschrieb es Hermann Hesse, einer von Unselds Lieblingsdichtern, in "Siddhartha".
Fasten kann ein wichtiges Instrument der Psychohygiene sein: sich regelmäßig zurückziehen und sich bewusst werden, ob man noch seine Lebensvision lebt. Legendäres Beispiel: Karl Ludwig Schweisfurth, der ehemalige Herta-Wurst-Fabrikant, mutierte während einer Fastenkur zum Jahreswechsel 1983/84 vom Saulus zum Paulus und entwickelte seine ökologisch und ethisch beispielhaften "Herrmannsdorfer Landwerkstätten". "Wenn der Geist bereit ist, sind die Dinge bereit", schrieb Shakespeare. Das ist das Geheimnis.
Patentrezepte gibt es leider nicht. Ein Mensch will regelmäßig bewegt, entspannt und in Maßen ernährt werden. Kluge Lebensführung nannten das schon unsere Eltern. Neu vielleicht, dass die Ärzte immer genauer bestimmen können, zu wem welche Ernährungsform passt. Dem einen mehr, dem anderen weniger Kohlenhydrate oder Proteine. Die Diäten werden immer individueller.
Und wie oft im Jahr soll man kuren? Reicht eine Woche pro Jahr? Da lacht der alte Charmeur: "Es gibt keine Regel." Sein Freund Flavio Briatore fliege so ungefähr drei-, viermal pro Jahr auf dem Bozener Flughafen ein. "Das hängt allein von der Lebensführung des Einzelnen ab." Der Prinz von Hannover zum Beispiel, der ist häufiger da.
© manager magazin 12/2006
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