Von Henrik Müller
Erkenntniswert: Wer Wirtschaft studiert hat, der kennt mit großer Wahrscheinlichkeit Joseph Stiglitz' berühmte Parabel vom "Market for Lemons". Da wundert sich der US-Ökonom, dass sich auch "Lemons" (klapprige Gebrauchtwagen) an den Mann und die Frau bringen lassen. Warum? Weil die Mängel dieser Autos versteckt sind, die Käufer also den wahren Zustand der Fahrzeuge nicht erkennen.
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Sein ganzes Forscherleben hat er sich mit dem Versagen von Märkten befasst. Das prägt. Stiglitz ist heute der wohl profilierteste Globalisierungskritiker.
Sein neues Buch "Die Chancen der Globalisierung", Fortsetzung von "Die Schatten der Globalisierung" aus dem Jahr 2002 bietet allerdings nicht viel Neues. Die stete Wiederholung der Standardökonomik (immer wieder Adam Smith) führt ihn stets zu dem Schluss, dass der Markt nicht alles zum Besten regelt, sondern dass es staatlicher Regulierung und Umverteilung sowie effektiver internationaler Institutionen bedarf. US-Konservative kann man damit provozieren.
Stil: Weitschweifig. Scharfsinnige Analysen gehen unter in einem Wust von Polemik und Appellen zum Gutmenschentum - wie dem, ein "globales Identitätsbewusstsein" (Beispiel für die holprige Übersetzung) zu entwickeln.
Nutzwert: "Die Chancen der Globalisierung" richtet sich an oberflächlich informierte amerikanische Laien. Das Buch ist gefangen in der polarisierten Auseinandersetzung, die die USA unter George W. Bush prägen. Spezifisch europäische Globalisierungserfahrungen, insbesondere die Folgen der EU-Osterweiterung, finden keine Erwähnung. Kurz: für kritische europäische Köpfe kaum empfehlenswert.
© manager magazin 12/2006
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