Von Jörn Sucher
Wahres Unternehmertum ist für Karl-Erivan Haub (46), genannt Charly, auch eine Frage der Garderobe. Der geschäftsführende Gesellschafter des Handelskonzerns Tengelmann trägt mit Vorliebe Krawatten, auf denen vielfach das T-Logo der Firma prangt. Die Socken stammen aus den Regalen seines Textildiscounters Kik. Der Mann ist von Hals bis Fuß auf Tengelmann eingestellt.
Tengelmann, so das Signal, ist eine Welt für sich.
Bei dem Einzelhändler, der zuletzt 25,7 Milliarden Euro umgesetzt hat, finden sich die Reste einer barocken Unternehmenskultur wie in besten Wirtschaftswunderzeiten. Die Mülheimer Zentrale zieren Kupferstiche italienischer Renaissancebauten. An der Decke hängen üppige Kronleuchter. Die Fenster geben den Blick frei auf einen Park, manikürt von betriebseigenen Gärtnern. Ein Springbrunnen sorgt für passende Lautmalerei.
Hier pflegt man den Stil des freundlichen Patriarchentums. Bei der Bilanzpressekonferenz begrüßt Konzernlenker Haub jeden Zuhörer mit Handschlag. Höflich erkundigt er sich, ob die Anfahrt angenehm gewesen sei oder ob man den Termin zu früh angesetzt habe.
Dass Charly Haub ein freundlicher, wenn auch manchmal eigenwilliger Mann ist, erleben genauso Kassiererinnen und Marktleiter in den Filialen. So lud Haub einmal sein Topmanagement in den Mannschaftsbus des FC Bayern München und klapperte damit 54 Plus-Filialen in drei Ländern ab. "Als Händler muss ich draußen bei den Leuten sein", erklärt der Chef.
Nicht nur beim Führungsstil geht der Konzern eigene Wege. Unter dem Dach der Gruppe vereinigen sich Geschäftsfelder, die so viel gemeinsam haben wie Tiramisu und Ochsenschwanzsuppe.
Obi-Baumärkte versorgen Hobbyhandwerker in halb Europa mit Kettensägen, Badfliesen und Gartenzäunen. Die Supermarktkette Kaiser's Tengelmann und der Discounter Plus verkaufen Lebensmittel. Kik bietet Billigtextilien an. Und mit den A&P-Supermärkten engagiert sich der Krämerkonzern als eines der wenigen deutschen Handelshäuser in großem Stil in den USA.