Von Klaus Boldt
Den Maßnahmen, die verpufften, muss möglicherweise auch der Wechsel des "Wiwo"-Erscheinungstages zugerechnet werden. Um seinen Verkauf spürbar anzukurbeln, wirft sich das Heft seit Monaten statt am Donnerstag schon (oder erst?) am Montag auf den Markt - wobei niemand weiß, welcher montägliche Zauber die Auflagenerhöhung eigentlich bewirken soll. Das Anzeigengeschäft blüht - doch die Käufer, die das Blatt am Kiosk gewinnt, verliert es unter seinen Abonnenten.
Vier Millionen Euro hat der Spaß gekostet. Schon malen sich Wettbewerber eine Übernahme der "Wiwo" aus. Grabner sagt: "Verkauft wird nichts."
Vom "Handelsblatt" darf behauptet werden, dass ihm die Käufer seit Jahren in Scharen davonlaufen, und dies nicht, weil es seine Leser so gut unterhielte. Erleichterung verspricht sich die Firma jetzt von einer Zusammenlegung von Zeitungs- und Magazinverlag. "Wiwo"-Objektleiter Wolf-Bernd Hering muss das Haus verlassen.
Der Griff zu drakonischen Maßnahmen trotz schwarzer Zahlen ist nicht auf Holtzbrinck beschränkt: Gruner + Jahr (G+J), "Rheinische Post", "Frankfurter Rundschau" und Springer-Verlag bauen Stellen ab. G+J-Dirigent Bernd Kundrun (48) grollt wie ein fernes Gewitter: "Der Markt verändert sich dramatisch."
Ursache der aktuellen Krise ist nicht, wie 2001, ein Kollaps der Werbemärkte, sondern die Angst, die nächste nicht zu überstehen: Die Stammgeschäfte sind in Gefahr, bedroht vom Internet, das Werbekunden und Publikum ködert.
Ob Mehl und Schulz-Isenbeck die Blätter zum Besseren wenden, wird die Zukunft zeigen. Bislang folgen sie nur der Modelinie "Online", die in der Gilde als Ausweis einer modernen Geisteshaltung gilt, auch wenn ihr bisweilen etwas seltsam Irriges anhaftet: Vor Angst, die zahlende Kundschaft zu verlieren, werden immer neue Gratisangebote erfunden. Was einem Selbstmord aus Angst vor dem Tod täuschend ähnlich sieht.
"Das Internet bedroht die Printmedien so wie ehemals das Radio und das Free-TV", sagt Holtzbrinck-Mann Grabner. Aber man solle gefälligst "die tollen Chancen nutzen und nicht mit Angstschweiß auf der Stirn dagegen kämpfen".