Von Klaus Ahrens und Hanno Pittner
Michalsky kann sich genauso schnell in einen Lobgesang auf deutsches Design hineinsteigern, wie er in Verachtungstiraden auf deutsche Minderwertigkeitsgefühle in Gestaltungsfragen verfällt. Und sein Abgott ist und bleibt - neben den Vorbildern Yohji Yamamoto, Wolfgang Joop und Vivienne Westwood - der Deutsche Karl Lagerfeld.
"Der hat es geschafft, viele Jahre am Puls der Zeit zu bleiben", lobt der junge Kollege, "ich mag, was er sagt, und finde ihn amüsant. Und vor allem: Er ist 72 Jahre alt und geistig jung geblieben."
Nach dem Espresso folgt der Höhepunkt - der Besuch auf der Baustelle, die künftig sein Unternehmen beherbergen wird. Also am Gendarmenmarkt vorbei, die Charlottenstraße hinunter bis fast zum Ende, eine stille Ecke in der quirligen Metropole. Links viel Grün, rechts ein neusachlicher Kubenbau mit großen Fenstern, frisch renoviert.
Hier hat Michalsky zweieinhalb Stockwerke angemietet, fast 1200 Quadratmeter, feinste Holzfußböden, Chefbüro im siebten Stock. Mit Blick in den Himmel über Berlin.
Die Stadt ist ihm schnell ans Herz gewachsen. Sie sei inzwischen eines der drei wichtigsten Kunsthandelszentren weltweit - neben London und New York, lobt er. Die einzige deutsche Stadt, die ständig in Bewegung sei, immer neue Impulse liefere. In naher Zukunft die Modemetropole Europas.
Auf den oberen Etagen schleifen Handwerker die Fußböden, unten sitzt bereits ein Designteam an Rechnern über Entwürfen für Michalskys Luxuslinie, an den Wänden Skizzen und Materialproben. Bewacht von Norma Jean, einer faltigen französischen Bulldogge, dem Studiomaskottchen.
"Ich sehe mich wie ein Dirigent", philosophiert Michalsky über seine Rolle. "Ein Dirigent kann auch nicht alle Instrumente spielen, er gibt aber vor, welches Lied gespielt wird, er weiß, wenn einer zu schnell oder zu langsam spielt, weiß, ob noch mehr Flöten oder Geigen reinmüssen, damit das Stück gut wird."
Ein feiner Klang ist bereits zu vernehmen.