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05.12.2006
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Führung

Vom Bunker ins Büro

Von Klaus Werle

5. Teil: "Angst vor dem Schuss"

"Wir vermitteln Atem- und Entspannungstechniken, die von Spezialkräften der Polizei angewandt werden", sagt Ingenieur und Seminarleiter Bernd Gimpel. "Bei den Schießübungen lässt sich der Erfolg der Techniken überprüfen: Wer dabei ruhig bleibt, der geht auch entspannt in wichtige Meetings." Der begeisterte Kampfsportfan Gimpel hat seine Übungen aus Karate, Taekwondo und Systema übernommen, einer Kampfkunst, mit der schon Stalins Palastwache und der KGB gedrillt wurden.

Gestresst wie selten zuvor: Dematic-Manager Engel beim Schießtraining
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Dirk Kruell

Gestresst wie selten zuvor: Dematic-Manager Engel beim Schießtraining

Trainiert wird tiefe Bauchatmung oder die "Welle", bei der der Atem bewusst durch den ganzen Körper gelenkt wird. Einführungen in strategisches Denken und Rollenspiele folgen, bei denen Stresssituationen wie Entlassungsgespräche nachgestellt werden. "Mir war wichtig, dass ich die Übungen im Hotelzimmer oder auf dem Weg zur Arbeit machen kann", sagt Engel, "ich wollte keine Esoterik, sondern etwas, das ich sofort anwenden kann."

Für die gewünscht handfeste Atmosphäre sorgen Grenzschützer und Bodyguards, die ebenfalls im Düsseldorfer Magnum-Schießsportzentrum trainieren und in den Pausen Skat kloppen, kantige Gesichter, breite Beine, Dienstwaffe auf dem abgewetzten Metalltisch.

Drinnen im bunkerähnlichen Schießstand steht Besitzer Gerhard Schiefke, mehrfacher deutscher und europäischer Meister im Pistolenschießen und in den 70ern einer der ersten SEK-Kämpfer. Braune Augen, Vollbart, sehr gelassen. Er hat im Laufe seines Lebens rund zwei Millionen Schuss abgefeuert und Schauspieler wie Heinz Hoenig oder Hannes Jaenicke für Actionszenen trainiert.

"Ein guter Schütze beherrscht die unterbewusste Angst vor dem Schuss", sagt er zu Engel, "konzentriere dich nur auf das Ziel und die Bewegung des Fingers am Abzug." Engel gehorcht - und trifft. Jetzt erhöht Schiefke den Druck; redet laut, als Engel Kimme, Korn und gelbe Scheibe in eine Linie zu zwingen versucht, oder zückt eine Stoppuhr: "Jetzt bitte mal sechs Schuss in 20 Sekunden."

Langsam atmet Engel ein, hält kurz die Luft an, spannt die Muskeln, vergisst Schiefke und den kühlen Betonboden, überhört das Summen der Neonlichter. Dann drückt er ab, die gelbe Scheibe klappt um. Engel strahlt.

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