15.11.2006
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Spitzenforschung

"Wir müssen endlich managen dürfen!"

Von Michael O. R. Kröher

4. Teil: "Der wahre Egoist kooperiert"

mm: Von der Wirtschaft lernen heißt siegen lernen?

  "Sicher hat die Wissenschaft eine Bringschuld - aber die Wirtschaft auch eine Holschuld"
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Maurice Weiss/Ostkreuz

"Sicher hat die Wissenschaft eine Bringschuld - aber die Wirtschaft auch eine Holschuld"

Mlynek: Wichtig ist ein Mentalitätswandel unter den Forschern. Nicht jeder, der eine gute Doktorarbeit abgeliefert hat, muss deshalb auch Professor werden. Warum ist das Unternehmertum kein Leitbild an den deutschen Hochschulen? Warum wollen sich so wenige Absolventen mit den Ideen, die sie im Studium entwickelt haben, selbstständig machen - und dann richtig reich werden? Wo ist ein deutscher Bill Gates, ein deutscher Steve Jobs, ein deutscher Michael Dell?

mm: Wahrscheinlich fehlen die Vorbilder, die Anleitung durch die Hochschullehrer und die Forschungsgruppenleiter.

Mlynek: Ich finde, die wirtschaftliche Seite gehört zur Verantwortung jedes Wissenschaftlers. Als ich noch Physikprofessor in Konstanz war, sagte ich mir: Jetzt hast du den einen oder anderen Wissenschaftspreis gewonnen, warst auf dem Cover von "Nature"...

mm: ... einem der renommiertesten Fachjournale für Naturwissenschaften ...

Mlynek: ... jetzt solltest du auch ein paar Arbeitsplätze schaffen. Mithilfe der landeseigenen Patent-Verwertungsagentur konnte ich dann Schutzrechte anmelden für spezielle Laser und für Anti-Reflexschichten auf nanoporösen Oberflächen. Die Industrie nutzt die Lizenzen noch heute. Aber reich geworden bin ich dadurch nicht (lacht).

mm: Ein schönes Beispiel. Doch generell ist die Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Wissenschaft in Deutschland eher schlechter. Der Anteil der Wirtschaft an den Forschungs- und Entwicklungsleistungen geht im internationalen Vergleich zurück. Wie ließe sich dieser Trend umkehren?

Mlynek: Forschungsallianzen zwischen Wissenschaft und Wirtschaft böten hier einen Ansatz. Sicher hat die Wissenschaft hier eine Bringschuld - aber die Wirtschaft auch eine Holschuld. Als Ziel steht aber die Win-win-Situation: Der wahre Egoist kooperiert!

mm: Worum könnte es dabei konkret gehen?

Mlynek: Nehmen Sie zum Beispiel den Energiesektor - Brennstoffzellen, Solartechnik, aber auch Reaktorentwicklung und -sicherheit. Bevor wir mit dem letztgenannten Thema wieder loslegen können, brauchen wir allerdings ein klares Signal aus der Politik, dass das gewünscht und gefordert wird.

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