Da draußen warten Hunderte von Leuten gespannt auf den Auftritt von Kaspar Pfeifer (48), und jedem Einzelnen soll der Lufthansa-Manager das Gefühl vermitteln, dass er ihn ganz persönlich begrüßt. Pfeifer tritt nach vorn an den Bühnenrand, er breitet die Arme aus, er öffnet den Mund - "Stopp", ruft Adele Landauer (46) dazwischen, "denken Sie daran, die Schultern zurückzunehmen. Stellen Sie sich einfach vor, Sie würden von einem Faden am Kopf nach oben gezogen."
Pfeifer setzt noch einmal an: Er klemmt die Pobacken zusammen, reckt sich, strafft den Oberkörper, setzt ein Lächeln auf. Er will sympathisch und kompetent wirken, wenn er dem Publikum sein neues, millionenteures Checkin-System namens Picture präsentiert. Doch wo Pfeifer hinschaut und hinredet, ist niemand. Er spricht gegen die Wand.
Pfeifer übt.
Adele Landauer ist gelernte Schauspielerin, hat Theater- und Fernsehrollen gespielt, Kaspar Pfeifer ist gelernter Maschinenbauer mit Schwerpunkt Luft- und Raumfahrttechnik. Die Schauspielerin hilft dem Ingenieur, ein besserer Manager zu werden.
"Ich habe mir früher nie Gedanken darüber gemacht, wie ich wirke", sagt Pfeifer. Lange Zeit musste er das auch nicht. Doch je höher er die Karriereleiter hinaufkletterte und je größer seine Projekte wurden, desto mehr spürte er, dass ihm etwas Wichtiges fehlte: die Fähigkeit, sich selbst optimal zu präsentieren.
Seit eineinhalb Jahren ist Pfeifer für die Technik hinter den Check-in- und Boardingsystemen des weltweiten Lufthansa-Streckennetzes verantwortlich. Am Frankfurter Flughafen hat er eine Abteilung mit 150 Mitarbeitern und einem Budget von rund 80 Millionen Euro unter sich.
Doch Pfeifer weiß, dass es heutzutage längst nicht mehr reicht, fachlich gut zu sein, wenn man Karriere machen will. Man muss sich auch gut verkaufen. Er möchte lernen, "so aufzutreten, dass meine Körpersprache und meine Stimme perfekt zu den Inhalten passen, die ich zu verkünden habe. Das Wechselspiel zwischen Ratio und Emotion möchte ich trainieren".
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