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31.10.2006
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Manager um die 40

Die Herren baden gerne lau

Von Klaus Werle

9. Teil: Gelebte "Risikominimierung"

Von den Zauderern und Zögerern profitiert die Beraterbranche, denn die McKinseys und Bostons nehmen ihnen vorgeblich die Entscheidung ab und exkulpieren sie bei möglichen Fehlschlägen.

für mm 09/2006 Seite 130 GRAFIK / Zitate / #2 / 180 Entsprechend ist das Idol der 40-Jährigen - und zugleich ihr Menetekel - der Unternehmensberater: Er versteht und analysiert alles, entscheidet aber nichts und übernimmt erst recht weder Verantwortung noch Risiko. Fehlende Visionen oder Selbstzweifel gleicht er durch eine Flut von Pseudo-Entscheidungen aus, ein kleinschrittiges Reagieren auf Einzelereignisse - das aber immer unter Hochdruck. Von "rasendem Stillstand" spricht Experte Grünewald.

Natürlich gibt es in dieser wie in jeder Generation ein leistungsstarkes und risikobereites Top-End. Leute wie Alan Hippe (39), Finanzvorstand bei Continental, MLP-Chef Uwe Schroeder-Wildberg (41) oder Nikolaus Mohr (43), Geschäftsführer bei Accenture, der von sich selbst sagt, dass "ich sicherlich hier und da Abstriche im privaten Bereich machen muss, da es mein klares Ziel ist, in der ersten Reihe zu stehen".

Es sind Menschen wie Torsten Ahlers (40), ein jungenhafter Ralf-Bauer-Typ, der gern lacht und als Mitglied der Deutschland-Geschäftsführung das Inhaltegeschäft von AOL verantwortet. Nach Banklehre, BWL-Studium und Trainee bei Axel Springer hätte er einen Job in der "Bild"-Verlagsleitung haben können.

Doch Ahlers ging lieber in den sich gerade entwickelnden Internetbereich, wurde mit 34 Geschäftsführer bei Tomorrow Internet. Als das einigermaßen lief, nahm er eine Position im Vertrieb von AOL an - damals ein Himmelfahrtskommando, vor dem ihn alle warnten: "Aber Jobs zu machen, die mich vielleicht überfordern, setzt bei mir unglaubliche Energien frei."

Doch Leute wie Ahlers und Mohr zählen sich selbst zu einer Minderheit in ihrer Generation. Das Problem der 40-Jährigen sind deshalb auch nicht die Vorstände und Geschäftsführer, es sind die zwei, drei Ebenen darunter.

Diejenigen, die sich dem Stress des Unternehmertums verweigern, weshalb laut einer aktuellen Studie von PricewaterhouseCoopers mehr als die Hälfte der deutschen Familienunternehmen in der nächsten Generation zum Verkauf steht. Die, deren Lieblingsworte "Risikominimierung" und "Controlling" lauten, die alles doppelt und dreifach mit Unterschriften und "Save-my-Ass-Mails" absichern. Die lieber lange analysieren, anstatt zu entscheiden, und dann bei Flops mit den Schultern zucken: "Aber das hat doch so gut getestet ...?"

Torsten Ahlers hat immer den anderen Weg gewählt. Wo andere ausgebüxt sind, suchte er mit voller Absicht das Risiko. Er sagt: "Ich habe mich weiterentwickelt, weil ich bewusst Jobs angenommen habe, die anderen zu gefährlich waren." Es ist dieser Mut, der zu vielen seiner Altersgenossen fehlt.

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