Von Klaus Werle
Egofixiert und risikoscheu - wie sich die Wohlstandskinder der 60er vor der Verantwortung drücken und stattdessen lieber Selbstverwirklichung betreiben.
Der Mann, der Ihnen auf dem Flur entgegenkommt, trägt die Hosen einen Tick zu kurz, weil das energischer aussieht, und das Haar gelgescheitelt oder akkurat verstrubbelt, das hängt von der Branche ab. Er hat's eilig, ein Meeting, eine Präsentation, irgendwas ist immer. Am Ohr das Handy, "Schatz, bringst du auf dem Heimweg zwei Liter fettarme Milch mit, bitte?"
Er trägt kein Jackett, das hängt über seinem Stuhl, und vielleicht wird es dort auch in ein paar Stunden noch hängen vor dem eingeschalteten PC, damit es so aussieht, als sei er nur kurz zum Kopierer, während er zu Hause auf die Kinder aufpasst oder eine Rennradrunde um den Starnberger See dreht oder beim Tai Chi ist und dort, wie er am Montag erzählen wird, wichtige Kontakte pflegt.
Dabei ist er immer gut vorbereitet, bedient Excel im Schlaf und ordnet für jedes neue Produkt wasserdichte Marktforschungen an. Klar, er macht einen ordentlichen Job, aber manchmal beschleicht Sie das Gefühl, dass er im Zweifel auch leicht zu ersetzen wäre.
Der Mann grüßt drei Meter zu früh, aber in dem Augenblick, als er mit Ihnen auf gleicher Höhe ist, haben Sie ihn schon wieder vergessen. Sie hätten sich ihm in den Weg stellen können, doch das hätte auch nichts genutzt, denn er eckt nirgends an, passt überall durch, er ist wie ein Marshmallow.
Die Jahrgänge 1960 bis 1968 waren die geburtenstärksten in der Geschichte der Bundesrepublik. Inzwischen sind sie angekommen an den Schaltstellen in Politik, Wirtschaft und Forschung. In diesem Alter, so formulierte es Managementguru Fredmund Malik einmal, verbinden sich Erfahrung und Dynamik auf das Vorzüglichste: Die 40-Jährigen sollten das Land voranbringen, Schrittmacher der Gesellschaft sein.
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