Für das Intermezzo von Florian Gerster an der Spitze der Bundesanstalt für Arbeit (BA) gibt es heute im Wesentlichen zwei Interpretationen. Die eine geht so: Einer der profiliertesten Reformpolitiker Deutschlands gibt dem Drängen von Bundeskanzler Gerhard Schröder nach und macht sich daran, den Nürnberger Augiasstall auszumisten. Doch eine Koalition des Mittelmaßes bringt Gerster zu Fall. Eine Zweckallianz aus sensationshungrigen Journalisten, ewiggestrigen Gewerkschaftern und veränderungsresistenten BA-Funktionären.
Die andere Version: Gerster fehlt das diplomatische Geschick zum Umbau der Mammutbehörde. Mit nassforschen Ankündigungen bringt der Oberstleutnant der Reserve Belegschaft und Verwaltungsrat gegen sich auf. Als dann noch ein Beratervertrag auftaucht, den Gerster ohne Ausschreibung vergeben hat, ist der Mann nicht mehr zu halten.
Version eins wird im Wesentlichen von Florian Gerster selbst vertreten, Version zwei vom Rest der Republik. Das führt verständlicherweise zu gewissen Spannungen zwischen Gerster und der Außenwelt. Unter anderem dazu, dass Gerster nach einigem Hin und Her doch nicht als Gesprächspartner für diesen Artikel zur Verfügung stehen möchte.
Schade, denn es gibt für den 57-Jährigen durchaus ein Leben nach der BA, über das es sich zu reden lohnt. So ist Gerster in seinen angestammten Beruf als Personalberater zurückgekehrt und kümmert sich beim Headhunter Ray & Berndtson um die Besetzung von Führungspositionen, vor allem im öffentlichen Sektor und im Gesundheitswesen.