05.09.2006
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BenQ

Klingeltod

Von Anne Preissner

Sinkende Marktanteile, steigende Risiken: Der taiwanische Elektronikkonzern BenQ bekommt die verlustreiche Handysparte von Siemens nicht in den Griff. Und liefert so Anschauungsunterricht für eine verfehlte Sanierung.

Lila-weiß flattern die Fahnen von BenQ Chart zeigen vor der Firmenzentrale im Münchener Osten. Ein bayerischer Löwe, passend in BenQ-Lila bepinselt, wacht vor dem Haupteingang, über dem einst der Schriftzug "Siemens Mobile" prangte.

In Nöten: BenQ-Mobile-CEO Clemens Joos
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Andreas Pohlmann

In Nöten: BenQ-Mobile-CEO Clemens Joos

In seinem Büro im fünften Stock präsentiert Clemens Joos (48) voller Begeisterung die Top-Handys und Prototypen der neuen Marke BenQ-Siemens. Pinkfarbene, mattsilberne und mit Schmetterlingen verzierte Geräte mit Kamera, MP3-Player und Girlie-Kettchen. Der Ex-Siemens-Manager verkauft eine künftige Erfolgsgeschichte, eingängig wie ein Klingelton.

Doch Joos ist in Nöten. Seit Siemens-Chef Klaus Kleinfeld (48) im Oktober vergangenen Jahres das verlustreiche Handygeschäft an den taiwanischen Elektronikkonzern BenQ verschenkte, verlor der Handyhersteller binnen Jahresfrist knapp 40 Prozent des Siemens-Marktanteils. Weit abgeschlagen rangiert BenQ Mobile auf Rang sechs der Weltrangliste (siehe Tabelle).

Handyproduktion in Kamp-Lintfort: Im einzigen deutschen Werk fehlen Aufträge
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DPA

Handyproduktion in Kamp-Lintfort: Im einzigen deutschen Werk fehlen Aufträge

Schlimmer noch: Das Danaergeschenk der Deutschen trieb auch den Mutterkonzern BenQ in die roten Zahlen, der Aktienkurs stürzte ab. Jetzt entlässt BenQ 530 seiner rund 3300 Mitarbeiter in Deutschland und spart an Neuentwicklungen. "Für kleine Hersteller wie BenQ wird es immer schwieriger, den Anschluss zu finden", urteilt Martin Gutberlet, Mobilfunkexperte beim Markforscher Gartner.

Erst ausrangiert, dann abgestürzt - die Misere von BenQ lässt auch den jüngsten Coup des Siemens-Chefs in düsterem Licht erscheinen. Anfang Juni entsorgte Kleinfeld die traditionsreiche Siemens-Netzwerksparte in ein Joint Venture mit dem Handyriesen Nokia. Nun sollen die Finnen richten, was die Deutschen trotz jahrelanger Sanierungsversuche nicht in den Griff bekamen.

Weltweiter Handyabsatz im 2. Quartal 2006*
Hersteller Stückzahl
(in Mio.)
Marktanteil
(in %)
Nokia 77,07 33,6
Motorola 50,17 21,9
Samsung 25,53 11,1
SonyEricsson 15,28 6,7
LG 14,40 6,3
BenQ/Siemens 7,40 3,2
* Sonstige: 39,28 Millionen (17,2 Prozent). Quelle: Gartner:
Nokia-CEO Olli-Pekka Kallasvuo (53) steht mit seinem "Kronjuwel" vor ähnlichen Problemen wie BenQ-Chairman Kuen-Yao Lee (53): Überkapazitäten, ein teils unattraktives Produktportfolio, zu viel Personal und hierarchische Strukturen verhindern rasche Erfolge. Das Beispiel BenQ sollte Kallasvuo eine Warnung sein: Ein Besitzerwechsel ohne radikale Veränderung der Geschäftsprozesse ist zum Scheitern verurteilt.

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