Von Klaus Werle
Den einen nannten sie "Leichen-Mendel", der andere stand im Ruf, auch mal über Leichen zu gehen, wenn es dem eigenen Fortkommen diente. Irgendwie lag es da in der Luft, dass früher oder später einer auf der Strecke bleiben würde.
Das erste Gesetz der Macht: Dominant auftreten
Gib dich wie ein König, dann wirst du von anderen auch wie ein König behandelt: Zeige dich auch bei harter Arbeit unangestrengt, stecke Niederlagen kalt lächelnd weg, demonstriere ein durch nichts zu erschütterndes Selbstbewusstsein.
Vor etwas mehr als einem Jahr bat Rampl CSU-Mitglied Mendel um einen Gefallen. Dieser möge doch seine Kontakte zur Partei nutzen, um politische Querschüsse gegen die geplante Fusion mit der italienischen Unicredit
zu verhindern. Im Gegenzug versprach Rampl ihm den Stuhl des Deutschland-Chefs oder einen Job im Vorstand der vereinigten Bank - so wird es heute auf den Fluren der HVB erzählt.
Die Politik hielt still, die Firmenverschmelzung kam, Rampl hatte bekommen, was er wollte, und wurde später "Presidente" des Unicredit-Verwaltungsrats. Nur Mendel ging leer aus; er hatte seine Schuldigkeit getan und war überflüssig geworden. Im Sommer 2005 ließ er verschnupft mitteilen, er sehe für sich "zukünftig zu wenig Gestaltungsmöglichkeiten" und ging.
Er blieb nicht der Einzige: Angesichts des aggressiven Führungsstils von Unicredit-Chef Alessandro Profumo quittierten innerhalb weniger Monate vier von sieben HVB-Vorständen ihren Dienst.
Unversehens war die Firmenhochzeit von HVB und Unicredit zum Showdown der Alphatiere geworden: Da gab es die Cowboyallüren von Profumo, dem "Machiavelli aus Mailand". Den kumpeligen, aber im Zweifel granitharten Rampl. Und auf der Ebene darunter zerschlissen sich die Ex-Hoffnungsträger in verbiesterten Rangeleien.
Vordergründig geht es um neue Produkte, um Investitionen, um Strategien. Gekämpft wird - manchmal - mit Argumenten. Oft aber mit Verleumdungen, Intrigen, offener Aggression. Gespielt wird nach verwirrenden Regeln und mit ständig wechselnden Verbündeten. Aber im Grunde geht es um etwas ganz Simples: um Macht.
Jeder beteiligt sich am Spiel namens "Tarnen, tricksen, täuschen", aber kaum einer mag es zugeben. Machtstrukturen und Machtrituale treten heute versteckter und subtiler auf als jemals zuvor. Wer nicht an die Wand gedrückt werden will, muss die Regeln und Mechanismen des Powerplay verstehen und beherrschen.
© manager magazin 6/2006
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