Von Martin Noé und Christian Rickens
Um den Branchenzwergen das Überleben zu sichern, reichen allerdings neue Wege in Forschung und Vertrieb allein nicht aus. Man braucht auch Stabilität. Alle drei Unternehmen haben Familien als Mehrheitseigentümer. Bei Boehringer und Merz halten sie sämtliche Anteile, bei der börsennotierten Schwarz Pharma die Aktienmehrheit.
"Hätte Schwarz Pharma keinen klaren Mehrheitseigentümer, sie wäre längst ein Übernahmekandidat", sagt Peter Düllmann, Pharmaanalyst beim Bankhaus Sal. Oppenheim. Immer wieder kommt es nämlich vor, dass die Unternehmen auf Gewinne verzichten müssen, um in ihre Produktpipeline zu investieren.
So machte Schwarz im vergangenen Jahr 54 Millionen Euro Verlust, weil es eine teure Lizenz für das Parkinson-Medikament Rotigotin erwarb. Ein Wettbewerber mit prall gefüllter Produktpipeline, der wegen schwacher Gewinne billig zu haben ist - genau so sieht gemeinhin die Lieblingsbeute großer Pharmakonzerne aus.
Wenn bereits die planmäßige Einführung eines neuen Produkts ausreicht, um einen Pharmazwerg in die roten Zahlen zu treiben - wie mögen die Gewinn-und-Verlustrechnungen erst in Unordnung geraten, wenn einem potenziellen Blockbuster in letzter Minute die Zulassung verweigert wird oder gar eine Pille vom Markt genommen werden muss? Ein Gau, der nach den Gesetzen der Wahrscheinlichkeit früher oder später jede Pharmafirma ereilt.
Wenn der Katastrophenfall eintritt, dann trifft er kleine Unternehmen naturgemäß am härtesten. Was Boehringer noch überlebt, könnte für Merz bereits tödlich sein. Mit diesem erhöhten Risiko müssen die Pharmazwerge leben.
Für Merz lässt sich das kritische Datum bereits benennen: 2014 läuft der Patentschutz für Memantine aus. Bis dahin muss Ersatz her. Wenn das der Forschungsabteilung nicht gelingt, dann bekäme das bunt gescheckte Produktportfolio von Merz auf einmal einen Sinn.
Zwar schreibt die Kugelschreibersparte Verluste, und der Umsatz mit Merz Spezial Dragees ist rückläufig. Doch 2014 könnten diese Sparten Merz das Überleben sichern. "Wir müssen unser Risiko streuen", sagt Hückmann nachdenklich und nimmt einen Schluck aus seinem Reklamebecher - der natürlich im eigenen Haus mit dem Merz-Firmenlogo bedruckt wurde.