Von Sören Jensen
Statt einer Endabrechnung soll es nun einen Besserungsschein geben. Metro soll in fernerer Zukunft an eventuellen Mehrerlösen der Divaco partizipieren. Doch selbst wenn solche Ansprüche entstehen: Metro verfügt offenbar über keinerlei Sicherheiten gegenüber dem Divaco-Alleinaktionär und Alleinvorstand Kaske.
Dubios auch die gesellschaftsrechtliche Konstruktion. Ziel des Metro-Vorstandes war es Ende 1998 gewesen, die Beteiligungen aus der Bilanz loszuwerden. Deshalb übernahm der Konzern nur eine Minderheitsbeteiligung von 49 Prozent an Divaco, mit 39 Prozent beteiligte sich die Deutsche Bank
Weil Divaco nicht mehrheitlich zum Konzern gehörte, konnte Körber allzu detaillierte Fragen bequemerweise mit dem Hinweis quittieren, Metro habe keine Auskunftspflicht.
Das Landgericht Düsseldorf formulierte in seinem Wirtschaftsprüferurteil vom vergangenen Herbst allerdings Zweifel an dieser Sicht. Dafür, dass Divaco sehr wohl im Konzern hätte konsolidiert werden müssen, sprächen "unstreitig verlorene Zuschüsse" von 180 Millionen Euro, die Metro 2002 an Divaco leistete.
Zu allem Überfluss erweist sich inzwischen offenbar der Inhalt einer Ad-hoc-Meldung als irreführend, die Metro am 12. November 1998 veröffentlichte. Damals wollte der Konzern sich mit allem Nachdruck seiner Verantwortung für die ausgegliederten Firmen entledigen: "Erwerber ist eine Joint-Venture-Gesellschaft (DIVAG) mit Finanzinvestoren unter Führung der Deutsche Bank AG". DIVAG war der anfangs vorgesehene Name der Firma, die dann Divaco genannt wurde.
Dass von einer Führungsrolle der Bank keine Rede sein konnte, stellte das Institut kürzlich in einem Schreiben an Hereths Kölner Anwalt Hans-Joachim Voges klar. Die Deutsche Bank habe "zu keinem Zeitpunkt" die unternehmerische Führung der Abwicklungsholding ausgeübt.
Alles in allem haben die Metro-Verantwortlichen jedem, der gegen den Divaco-Deal vorgehen will, eine Fülle von Angriffspunkten geliefert. Wer nichts zu verbergen hat, verhält sich anders.