Von Sören Jensen
Eckhard Cordes (55) gilt gemeinhin als durchsetzungsstark. Und als konsequent. Eigenschaften, die er in seinem neuen Job als Chef der niederrheinischen Familienfirma Franz Haniel & Cie. gut gebrauchen kann. Talente aber auch, die nicht überall im Haniel-Reich willkommen sein werden.
Cordes muss nicht nur die gut 500 Mitglieder des Clans bändigen, denen die Firma gehört; seine Aufgabe ist es vor allem, das Beteiligungsportfolio zu überprüfen und das Konglomerat (24 Milliarden Euro Umsatz) womöglich neu zu ordnen.
Exakt an dieser Stelle beginnt das Problem. Neben umfangreichem Besitz im Dienstleistungs-, Handels- und Baumaterialbereich hält Haniel 18,5 Prozent am Handelskonzern Metro. Genauer: Haniel gehört jeweils ein Drittel an mehreren Zwischenholdings, die mit 55,6 Prozent die Metro-Gruppe beherrschen. Und seit kurzem sitzt Cordes dem Aufsichtsrat der Metro AG
vor.
Für den überaus selbstbewussten Vorstandsvorsitzenden der Metro, Hans-Joachim Körber (59), wird der neue Haniel-Chef kein bequemer Kontrolleur sein. Cordes ist der erste Oberaufseher des Handelskonzerns, der seine Prägung in einem kapitalmarktorientierten Großunternehmen, der DaimlerChrysler AG
, bekommen hat.
Anders als seine Vorgänger verbinden ihn keine Emotionen mit Haniel oder mit Metro. Er braucht keine falschen Rücksichten zu nehmen und wird sich schnell darüber klar werden, ob Haniel an der Metro-Beteiligung festhalten soll.
Und wenn ja, wird er die weiterführende Frage stellen, ob Metro einen anderen Zuschnitt braucht. Das Handelshaus vereint heute unter einem Dach vier Sparten, die unterschiedlicher kaum sein könnten: das Stammgeschäft Cash & Carry, also ein Großhandel, die Fachmarktketten Media Markt/Saturn, das Warenhausunternehmen Kaufhof und den SB-Warenhausfilialisten Real.
Während Cash & Carry und Media/Saturn gut bis klotzig verdienen, vernichten die marode Real und der schwach rentable Kaufhof das Kapital der Aktionäre.
Die nahe liegende Möglichkeit wäre, sich von Real und Kaufhof zu trennen und sich ganz auf die beiden lukrativen Divisions zu konzentrieren. Cash & Carry und Media/Saturn stehen zusammen für knapp drei Viertel des heutigen Metro-Umsatzes.
In letzter Konsequenz würde sich dann die Frage stellen, ob überhaupt noch eine Holding namens Metro gebraucht wird. Kenner der Einzelhandelsszene halten die Obergesellschaft, deren Aktien im Dax 30 gehandelt werden, für höchst überflüssig.