Von Patricia Döhle und Ulric Papendick
Acting in Concert: Wie Hedgefonds-Opfer Seifert seine Niederlage verarbeitet.
Tournee: Es ist ziemlich cooler Jazz, den Ex-Deutsche-Börse-Chef Werner G. Seifert und seine Frankfurter Band Jazz X Change auf ihrer aktuellen Konzerttournee durch Deutschland und ihrer ersten CD "Well, you needn't" präsentieren. Seifert (Hammond-Orgel) und sein Freund August-Wilhelm Scheer (Saxofon), Gründer des IT-Dienstleisters IDS Scheer, waren es, die im August 2004 die Idee zur Gründung der Gruppe hatten.
Trauma: Dem damaligen Börsenchef halfen die Proben mit den Musikerfreunden in seiner mit Oldtimern voll gestellten Garage über eine schwere Niederlage hinweg. Vereitelten doch Anfang 2005 Hedgefonds erst Seiferts Plan, die Londoner Börse zu übernehmen, und jagten ihn dann aus dem Amt. In dem Song "Why am I treated so bad" scheint er zumindest einen Teil seines Frusts verarbeitet zu haben.
Therapie: Den Großteil des Erlebten schrieb Seifert sich indes in seinem jüngst bei Econ erschienenen rund 300 Seiten starken Buch "Invasion der Heuschrecken" von der Seele. Das Werk liest sich wie ein Wirtschaftskrimi und basiert auf einer Art "Kriegstagebuch", das Seifert während seines Konflikts mit den Hedgefonds führte. Thematisiert wird unter anderem die berechtigte Frage, ob Minderheitsaktionäre derart aggressiv auf das operative Geschäft einer Firma einwirken dürfen, wie sie es bei der Deutschen Börse getan haben.
These: Aus Seiferts Sicht lautet die Antwort Nein, und das nicht ganz zu Unrecht. Zwar konnte die deutsche Aufsichtsbehörde BaFin den beteiligten Hedgefonds ein "Acting in Concert" nicht nachweisen; ein abgesprochenes konzertiertes Vorgehen, das die Finanzinvestoren zu einem Übernahmeangebot für die Deutsche Börse verpflichtet hätte, gab es de jure offenbar nicht.
Unbestritten ist jedoch, dass die Hedgefonds nur deshalb den Rückzug Seiferts erzwingen konnten, weil sie de facto alle die gleichen Ziele verfolgten. So sieht es auch der Ex-Börsenchef. "Acting in Concert" ist für ihn nur dann in Ordnung, wenn er auf der Bühne steht.