08.03.2006
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Gesellschaft

Gegenwart und Zukunft

Von Christian Rickens

2. Teil: Die Zukunft - drei deutsche Szenarien

Die Zukunft

Wie sich die Gesellschaft verändern wird

Neben diesen gesicherten demografischen Entwicklungen unterscheidet Sinus drei Szenarien mit unterschiedlichen politischen und wirtschaftlichen Trends bis zum Jahr 2020. Anhand der empirischen Erkenntnisse über die Einstellungen der einzelnen Milieus lässt sich prognostizieren, wie sie auf die Veränderungen reagieren.

Szenario 1 - weniger Staat: Die deutsche Milieulandschaft im Jahr 2020
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Szenario 1 - weniger Staat: Die deutsche Milieulandschaft im Jahr 2020

1. Szenario: Neoliberaler Um- und Abbau des Sozialstaates, Marktprozesse gewinnen an Bedeutung, individuelle wirtschaftliche Leistung wird stärker belohnt. Dieses Szenario führt zu tiefen Umwälzungen:

  • Die Hierarchisierung der Gesellschaft nimmt zu. Ober- und Unterschicht entfernen sich voneinander, die Mittelschicht wird schmaler.
  • Das konsummaterialistische Milieu mit seiner hohen Abhängigkeit von Transfereinkommen kann den bisherigen Lebensstil nicht beibehalten und spaltet sich auf in eine neue, in Armut lebende Gruppe von Deklassierten ("Prekäre") sowie in das Milieu der "Dealer". Letztere versuchen, dem sozialen Abstieg durch allerlei Kleingewerbe zu entkommen - mal diesseits, mal jenseits der Legalität.
  • Auch das Milieu der Experimentalisten spaltet sich. Ein Teil passt sich an die Marktprozesse an, die nun auch den Kulturbetrieb und die Hochschulen dominieren, und wird zum neuen Milieu der "erfolgreichen Experimentalisten". Die andere Hälfte widersetzt sich dem Anpassungsdruck und bildet eine neue antikapitalistische Gegenkultur ("Counter Culture").
  • Die Postmateriellen und die modernen Performer tauschen ihre Position in der Milieulandschaft: Die modernen Performer werden mit ihrer Leistungsorientierung zum neuen Leitmilieu und rücken ins Zentrum der Gesellschaft. Die Werte der Postmateriellen hingegen passen nicht in die neue Zeit. Sie behalten ihren sozialen Status, rücken aber an den Rand der Gesellschaft.
2. Szenario: Der deutsche Sozialstaat erlebt eine Renaissance. Politische Prozesse gewinnen gegenüber Marktkräften (wieder) die Oberhand. Folgen: Die bürgerliche Mitte gewinnt durch diese Entwicklung an Attraktivität. Ihr Anteil an der deutschen Bevölkerung steigt auf 20 Prozent. Neue Milieus entstehen nicht.

3. Szenario: Hier haben die Sinus-Forscher versucht, eine mögliche Utopie zu skizzieren. Der Staat verliert an Bedeutung. Teilbereiche der Gesellschaft entwickeln ihre eigenen Regelungsmechanismen, es gibt keine zentral vorgegebenen Ziele mehr. Dennoch sieht sich die Gesellschaft weiterhin als ein Ganzes.

In diesem Szenario werden die Postmateriellen zum neuen Leitmilieu, ihre Zahl steigt. Etablierte und Konservative hingegen sind von der Unbestimmtheit des dritten Szenarios überfordert, ihre Bedeutung schrumpft.

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