Von Michael Freitag, Wolfgang Hirn und Christian Rickens
Essen-Kray. Mietshäuser vermischen sich mit einem Gewerbegebiet. Ein schlichter Plattenbau, architektonisch eine Kreuzung aus Turnhalle und Krankenhaus, liegt leicht zurückgesetzt von der Eckenbergstraße.
Aldi in der Strategiefalle:
Der Discounter muss sein Geschäftsmodell ändern
Ein Einwohnermeldeamt? Eine schlecht laufende Arztpraxis? Nein. Zwei an die Wand der Rezeption gepappte Poster voller Sonderangebote verraten den Eigentümer: "Aldi informiert" steht darauf. Hier im tristen Essener Nordosten residiert der König des deutschen Einzelhandels.
Genau genommen sitzt in Essen zwar nur die Nordhälfte des Aldi-Imperiums. Aber bei Aldi Süd, ein paar Kilometer weiter westlich in Mülheims Burgstraße, bietet sich das gleiche Bild: Ein Bürogebäude aus den 70er Jahren, Besucher müssen auf der zweiten Etage auf dunkelbraunen Stühlen Platz nehmen, unter den Füßen ein wenig einladender Steinfußboden. An den Wänden hängen Schwarz-Weiß-Fotos aus der Aldi-Gründerzeit.
Schlichtheit. Sie gehört bei Aldi zum Markenkern. Alles ist schlicht - die Werbung, die Büros, die Gründer, die Läden und letztendlich auch die Geschäftsidee: Lebensmittel von guter Qualität zu konkurrenzlos günstigen Preisen zu verkaufen.
Mit diesem simplen Prinzip schrieb Aldi die große Erfolgsgeschichte des deutschen Handels. Die Brüder Karl (85) und Theodor (83) Albrecht wurden Multimilliardäre. Jede ihrer inzwischen rund 4000 Filialen in Deutschland bringt ihnen Jahr für Jahr durchschnittlich etwa 230.000 Euro Gewinn vor Steuern.
Doch nun stoßen die Erfolgsverwöhnten an die Grenzen ihres Wachstums. Fast jeder Deutsche kann in ein paar Autominuten einen Aldi erreichen. Mehr Aldis braucht die Republik nicht. "Neue Läden kannibalisieren inzwischen zu stark die bereits bestehenden", sagt Sirko Siemssen, Einzelhandelsexperte der Unternehmensberatung Mercer.