Von Eva Buchhorn und Jonas Hetzer
Richard Petersons Händedruck ist fest, seine Stimme schwingt in einem warmen Timbre, durch dünne Brillengläser in dezenter Fassung schauen freundlich grünbraune Augen. Der Mann weiß, wie er Vertrauen schaffen muss. Da ist es auch kein Wunder, dass der Psychiater aus San Francisco regen Zulauf hat. Und zwar von einer sehr speziellen Klientel: Fondsmanagern, Vermögensverwaltern und den Lenkern großer Pensionskassen.
Hirnforschung: Viele Entscheidungen fallen instinktiv und unbewusst
Während der Stunden dauernden Sitzungen will Peterson alles über das Anlageverhalten der Geldmanager wissen. Er fragt, welche Aktien sie halten und in welchen Ländern sie das ihnen anvertraute Kapital investieren. Gewissenhaft füllen Petersons Kunden lange Fragebogen aus. Sie geben Auskunft zu Fragen wie "Machen Sie das Investment, um einen schnellen Gewinn einzustreichen?", "Müssen Sie schnell zugreifen?", "Was sagt Ihr Bauch?"
"Meine Klienten sollen sich klar darüber werden, warum sie eine Position aufbauen oder warum sie verkaufen", sagt Peterson: "Denn oft handeln Anleger nicht überlegt. Viele Entscheidungen fallen instinktiv und unbewusst."
Alles Psychoquatsch? Eine neue Beratungsmasche im selbsterfahrungsverliebten Amerika?
Keineswegs. Der Psychiater überträgt die Erkenntnisse einer neuen interdisziplinären Forschungsrichtung in die Welt der Aktien und Anleihen: die Neuroökonomik. Wissenschaftler - Ökonomen, Hirnforscher und Psychologen - ergründen gemeinsam, warum Menschen im Wirtschaftsleben und besonders in Sachen Geldanlage so häufig falsche Entscheidungen treffen.
Ihre wichtigste Erkenntnis: Wenn Anleger unablässig auf die falschen Aktien setzen oder zu wenig sparen, hat das nichts mit mangelnder Intelligenz oder intellektueller Faulheit zu tun. Die Ursachen liegen offenbar tiefer, verborgen in den Windungen des menschlichen Gehirns. "Wir sind im Kopf schlicht falsch verdrahtet", konstatiert Richard Peterson, der selbst mehrere Jahre an der Universität Stanford geforscht hat.
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