Von Hermann Simon
"Und warum konnten Sie diese notwendigen Veränderungen als Vorstandsvorsitzender nicht durchsetzen?", fragte ich den Ex-CEO eines großen MDax-Unternehmens, den wir hier der Vertraulichkeit wegen Hans Abel nennen. "Sie können sich kaum vorstellen", antwortete er, "wie wenig man als Chef einer großen deutschen Firma bewegen kann. Von den Vorstandskollegen über den Betriebsrat, vom Aufsichtsrat bis zum Ministerpräsidenten - alle halten einen in Schach und zementieren den Status quo."
Da sei es schwer, die Dinge grundlegend neu auszurichten, insbesondere, wenn es dem Unternehmen einigermaßen gut gehe, fügte er an. Und, na ja, man selbst bewege sich natürlich auch in diesen Mustern.
"Was ist heute anders?", schob ich nach. "Alles!", antwortete Herr Abel. Nach seinem Rücktritt vom Vorstandsvorsitz war der Manager in ein Private-Equity-Unternehmen eingetreten. Er musste vom eigenen Geld mehrere Millionen investieren, was ihm zunächst erhebliche Bauchschmerzen bereitete: "Die Beträge, um die es da ging, taten auch mir weh. Plötzlich trug ich volles unternehmerisches Risiko." Die Beziehung zu seiner Aufgabe sei jetzt eine völlig andere als zu seiner Zeit als angestellter Vorstandsvorsitzender. "Denn damals hatte ich kein vergleichbares Risiko."
Seither hat Abels Investitionsfirma eine Reihe von Firmen erworben, auf Vordermann gebracht und dann wieder mit hohem Gewinn verkauft. "Wie ist das möglich?", frage ich Hans Abel. "Das geht ganz einfach", erklärt der Investor, "wir kaufen die Firma, beteiligen die Manager mit einem Betrag, der dem Einzelnen weh tut - ähnlich wie ich mich beteiligt habe -, und die Sache läuft." "So simpel?", hake ich ungläubig nach. "Ja, so einfach ist das", entgegnet Hans Abel.
Und er hat Recht. In Baden-Baden besuche ich die Managementtagung eines Zulieferers, der von Abels' Firma übernommen worden war. Ich habe diese Gruppe von Firmen schon vor der Übernahme durch den Investor begleitet, kenne die Manager also.
Bei meinem Vortrag, der am Nachmittag stattfindet, fällt mir die ungewöhnliche Unruhe auf. In der Kaffeepause wird die Katze aus dem Sack gelassen: Um 18 Uhr ist Notartermin, bei dem alle anwesenden Manager Anteile der von ihnen geführten Unternehmen erwerben.
© manager magazin 1/2006
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