Goldman Sachs
Der Geist des Hauses
Von Eva Buchhorn
5. Teil:
Karriere-Scorecard Goldman Sachs
"Im Grunde geht es mir bei Goldman Sachs wie zu College-Zeiten beim Sport", sagt George Walker (36), Partner und Absolvent der elitären Wharton Business School, der die Sparte "Alternative Investments" - das boomende Geschäft mit Hedgefonds und Private Equity - leitet: "Es ist dieselbe emotionale Herausforderung: Wir wollen gegen die Welt da draußen gewinnen."
Karriere-Scorecard Goldman Sachs
Das Unternehmen
Geschäft: Eine der ersten Adressen bei Fusionen und Übernahmen, Firmenfinanzierungen, Wertpapierhandel, Private Equity,
Vermögensverwaltung. Die Aufgaben verlangen hohe Kreativität, Eigenständigkeit und Umsetzungsfähigkeit. Konzernsprache: Englisch.
Kultur: Meritokratie mit starker Werteverankerung, flache Hierarchien, Mitarbeiter haben die Pflicht, Kollegen jederzeit zu helfen. Ständige zeitliche Verfügbarkeit wird vorausgesetzt.
Mitarbeiter: Kleine, international besetzte Teams. Unterschiedlichste akademische und kulturelle Hintergründe. Schnelle Denke.
Die Arbeitsbedingungen
Entwicklung: Einstieg meist über ein dreijähriges Analystenprogramm, Stationen in mehreren Ländern. Quereinstieg möglich. Intensive Trainings. Jährliche 360-Grad-Beurteilung; jedes Jahr müssen die schwächsten 5 Prozent gehen.
Arbeits- und Lebensstil: Internationale Einsätze; freie Benutzung von Fitnessstudios; ab Vice-President-Level regelmäßig medizinischer Check-up.
Vergütung: Gut 90.000 Euro für Einsteiger, plus 15 bis 30 Prozent Bonus. Hohe Steigerungen, abhängig von Leistung und Seniorität; Partner verdienen siebenstellig. Großzügige Nebenleistungen (Pensionsplan, Versicherungen).
Quelle: Columbia Business School, mm-Recherche
Sich festzubeißen, immer noch eine Runde mehr zu drehen gilt als unverzichtbare Tugend im Goldman-Reich. "Nichts ist uns untereinander unangenehmer, als etwas nicht zu wissen, was man hätte wissen können", sagt Marcus Schenck, Partner im Frankfurter Büro. Chairman und CEO Henry "Hank" Paulson (59) ist dafür bekannt, dass er Sätze nicht akzeptiert, die mit "Ich nehme an" beginnen. "Never assume", triff niemals Annahmen, ist einer der Leitsätze, der allen Mitarbeitern mit auf den Weg gegeben wird.
Es ist wohl eine Art kollektive Paranoia, die Angst, dass die Konkurrenz vorbeiziehen könnte, die hier jeden dazu zwingt, in seiner Anstrengung nicht nachzulassen. "Investmentbanking ist wie Leistungssport", sagt Scott Kapnick (46), Co-Head des globalen Investmentbankings und Co-Europa-Chef: "Der Unterschied zwischen Gewinnen und Verlieren, zwischen der Nummer eins und den folgenden 99 beträgt höchstens 2 Prozent. Den Platz in der ersten Liga müssen wir uns täglich neu verdienen."
Noch heute begegnet man auf den Fluren der Firma bisweilen einem Mann - weiße Haare, dunkler Anzug und wie jeder hier eifrig telefonierend -, der bei Goldman Kultstatus genießt: John Whitehead (83), in den 70er und frühen 80er Jahren Co-Chairman, später stellvertretender Außenminister in der Reagan-Administration.
Ende der 70er Jahre, als die Firma stark expandierte, brachte Whitehead die "Business Principles" zu Papier, eine Art Grundgesetz der Bank. Dort geht es um Profitabilität, um Professionalität und Reputation. Vor allem aber geht es um Zusammenarbeit. Principle Nummer acht lautet: "Wir betonen Teamarbeit in allem, was wir tun."