Von Klaus Werle
Für einen Mann, der als Großmeister strategischer Planung gefeiert wird, stand Carl von Clausewitz überraschend oft zur falschen Zeit auf der falschen Seite. Nach der vernichtenden Niederlage der Preußen gegen Napoleon 1806 schmorte er monatelang in französischer Kriegsgefangenschaft. Weil er sechs Jahre später zur russischen Armee überlief, verscherzte er es sich mit seinem König und wurde als "Lausewitz" verspottet.
Clausewitz' posthumer Reputation tat die beschränkt heldenhafte Laufbahn keinen Abbruch. Der preußische Kriegsphilosoph hat sich zu einem der populärsten Strategielehrmeister aller Zeiten gemausert. "Vom Kriege", in unzählige Sprachen übersetzt, zählt zu den meistverkauften Büchern weltweit. Kaum ein Managementkurs verzichtet auf ein Zitat aus "Vom Kriege". Gleichzeitig wird kaum ein anderes Buch von so vielen Leuten zitiert, die es niemals selbst gelesen haben. Nicht nur an Militärakademien, auch an zahlreichen Managementschulen, etwa in Harvard, werden die Erkenntnisse Clausewitz' als grundlegende Theorie gelehrt.
Ein Los, das der preußische Kampfdenker mit anderen Militärtheoretikern und Machtphilosophen der Geschichte teilt. Titel wie "Sun Tsu and the Art of Business", "Die sechs Meister der Strategie und wie Sie beruflich und privat von ihnen profitieren können" oder "Leadership. Strategisches Denken systematisch schulen von Sokrates bis Jack Welsh" füllen ganze Bücherregale. Ob Mitarbeiterführung, feindliche Übernahmen oder globale Expansionsfeldzüge - zu beinahe jeder Managementherausforderung der Gegenwart halten die Militärstrategen der Vergangenheit ein exotisches Bonmot parat.
Dass die Autoren seit hunderten, oft tausenden Jahren tot sind, gilt offenbar weniger als Manko denn als Gütesiegel: In einer immer komplexeren Welt suchen Führungskräfte vom Abteilungsleiter bis zum Konzernlenker nach klaren Wahrheiten, die ihre Authentizität allen Umbrüchen zum Trotz bewahrt haben.
Wieder einmal scheinen die angejahrten Philosophen die richtigen Antworten auf die Fragen der Zeit zu geben. "Nach den Kostensenkungsorgien der vergangenen Jahre haben sich die Unternehmen inzwischen gesundgeschrumpft", sagt Martin Welge, Inhaber des Lehrstuhls für Unternehmensführung an der Universität Dortmund, "jetzt sind strategische Ideen gefragt, um mehr Umsatz zu generieren."