Der Mensch hat den Evolutionskampf gewonnen, weil er so verblüffend flexibel ist. Im Geschäftsleben beweist sich das noch heute. Da haben geschmeidige Charaktere die besten Chancen.
So gesehen wird klar, warum in diesen Tagen ein junger Manager aus Hamburg größte Aufmerksamkeit erregt. Eckhard Spoerr (37) hat in seiner kurzen Karriere höchst unterschiedliche Zeitläufte gemeistert.
Der Aufsteiger stammt aus der New Economy, jener fern scheinenden Phase, in der imaginäre Milliardenwerte geschaffen und reale Vermögen vernichtet wurden. 1999 brachte Spoerr den Internetdienst Freenet
an die Börse. Zweieinhalb Jahre später, als die meisten Techno-Kids schon abgewirtschaftet hatten, schrieb er Gewinn.
Beim Verdienen gelang Spoerr ein Rückgriff auf den Internethype. Dank üppiger Aktienoptionen verdient der Herr eines überschaubaren mittelständischen Dienstleisters wie der Boss eines Weltkonzerns, binnen dreier Jahre mehr als zwölf Millionen Euro.
Jetzt rückt Spoerr auf, wird Vorstandsvorsitzender eines Fusionsgebildes: Mobilcom-Freenet, eine kleine Telefongroßmacht.
Wieder steht er vor einer neuen Zeiterscheinung: den Hedgefonds, seit der Brandrede von SPD-Chef Franz Müntefering auch als Heuschrecken bekannt. Diese Art von Beteiligungsfirmen steht im Ruf, Unternehmen mitunter bis zur Zerstörung abzunagen.
Ein besonders umstrittener US-Fonds ist Spoerrs mächtigster Aktionär. Die Business-Gemeinde schaut gebannt wie auf ein großes, riskantes Experiment. Wie wird Spoerr, der Wendige, diese Ära nutzen? Wird er die vermeintliche Heuschrecke bändigen, oder wird er fröhlich mit ihr tanzen?
Er selbst hält sich für einen unangepassten Charakter. "Ich hatte immer meinen eigenen Kopf", sagt Spoerr. Sein Entdecker, der frühere Mobilcom-Chef Gerhard Schmid, attestiert ihm "Rückgrat". Vor allem aber: Schläue. "Spoerr", meint er, "kennt alle Mittel, um sich durchzusetzen."
Äußerlich schlüpft Spoerr ohnehin längst in der Old Economy unter. Mit seinen braunen Anzügen, dem streng zurückgegelten Haar und dem schwäbischen Akzent wirkt er wie ein Daimler-Manager mittleren Rangs. Eine ernste Hornbrille zwingt Entschlossenheit ins rundliche Gesicht.
Einen kräftigen Vorwärtsdrang bekam er von zu Hause mit. Vater wie Mutter waren Steuerberater, beide arbeiteten jeden Tag uhrwerksgleich in der eigenen Kanzlei. Ein klassisch-konservatives Milieu sei das gewesen, durchaus wohlhabend. Die Eltern nahmen ihre beiden Söhne - Eckhard und seinen zwei Jahre älteren Bruder - früh auf weite Reisen mit, nach Südafrika, Island, in die USA, "da waren wir schon privilegiert".
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