Robert J. Koehler (56), Vorstandsvorsitzender des Grafitherstellers SGL Carbon AG
"Mich haben im beruflichen Umfeld drei wesentliche Entwicklungen geprägt: Erstens meine humanistische Ausbildung bei den Benediktiner-Mönchen mit den starken Grundsätzen Selbstdisziplin und Pflichterfüllung. Zweitens die 15 Jahre, die ich im Ausland verbracht habe. Prägend war hier die Zeit in Großbritannien, wo ich im Alter zwischen 25 und 35 Jahren von einem jungen, manchmal zu ambitionierten Deutschen zu einem Manager heranreifte, der die typisch englischen Führungscharakteristika 'leadership and loyalty' als untrennbare und wichtigste Eigenschaften einer guten Führungskraft erlernte.
Einen entscheidenden Beitrag für meine Karriere lieferte dann später der Hoechst-Vorstand Uwe J. Thomsen. Er überzeugte mich, als Geschäftsführer nach Kolumbien zu gehen, um in einer Generalmanagement-Aufgabe in einem schwierigen Land eine herausfordernde Führungsaufgabe zu erfüllen und die damit verbundene Führungsentwicklung zu durchlaufen.
Und drittens wurde ich durch die Wechseljahre bei Hoechst in meiner Zeit nach Kolumbien als Leiter der Unternehmensplanung beim damaligen Vorstandsvorsitzenden Jürgen Dormann geprägt. Im Mittelpunkt stand hier die Erfahrung der sich aus der Globalisierung abzeichnenden Notwendigkeit eines permanenten Change Managements."
Michael Birkel, Mitgründer und Vorstandsvorsitzender des Handymarketingunternehmens 12snap
"'Structure follows Business' lautet kurz und knapp einer der besten Ratschläge, die ich je erhielt. Er stammt von Bernd M. Michael, dem Chairman der Werbeagentur Grey Global Group Europe, Middle East & Africa. Er ist schon seit langer Zeit ein Freund meiner Familie. Bernd M. Michaels Rat begleitet mich tagtäglich im eigenen Wachtumsunternehmen. Oft ist man dazu verleitet, Strukturen aufzubauen, um erwartetes Wachstum bewerkstelligen zu können. Bei neuen Geschäftsfeldern ist es aber unabdingbar, zu testen, wie viel Geschäftspotenzial wirklich vorhanden ist, und erst dann in den unterstützenden Strukturaufbau zu gehen.
Als Aufsichtsratsmitglied meines Unternehmens ist Bernd M. Michael noch heute ein sehr wichtiger Ratgeber für mich - obwohl er mir sozusagen auch den einzigen 'falschen' Rat gegeben hat, an den ich mich erinnere. Als ich noch überzeugt war, eine Karriere in der wissenschaftlichen Forschung anzustreben, dennoch aber schon mal ein Schnupper-Praktikum bei McKinsey absolvierte, redete er auf mich ein: 'Was willst Du in der Wirtschaft? Die Physik bietet Dir ein viel tiefschürfenderes und herausforderndes Arbeitsumfeld. Außerdem bist Du in hohem Maße frei. Beides wird Dir in der Wirtschaft viel, viel schwerer fallen.' Er meinte es gut mit mir, denn ich hatte mich damals erfolgreich und nunmehr familiär akzeptiert aus dem Birkelschen Unternehmerdrang verabschiedet. Hätte ich allerdings auf ihn gehört, hätte ich eine Menge verpasst.
Als Unternehmer spüre ich nun vielmehr, wie wichtig für mich der berühmt-berüchtigte Spruch meines Urgroßvaters Balthasar Stephan Birkel ist, der die Nudelmarke 'Birkel' erfunden hat. 'Willst haben, dass dir's gelingt, schau selbst nach deinem Ding', war sozusagen mein tägliches Schlaflied. Je länger ich nun selbst Unternehmer bin, desto mehr stelle ich fest, welchen Einfluss er hatte, indem er das unternehmerische Gen in die Familie brachte. Sein Bild hängt bei mir, obwohl ich kein überzogener Familien-Traditionsfanatiker bin.
Sehr wichtig ist auch ein Rat, den mir mein Physiklehrer Dr. Müller am Remstal-Gymnasium in Weinstadt gab: 'Es gibt nichts Schöneres und Wichtigeres, als selbst über die Ursachen von Dingen nachzudenken und dabei dahinter zu kommen, warum die Dinge in der Natur so funktionieren, wie wir das sehen'. Ich habe das damals nicht richtig verstanden, heute hingegen wende ich diesen Rat fast täglich in meinem Unternehmen an. Unabhängiges und unvorgegebenes Denken ist für mich nicht nur die Grundlage attraktiver und erfolgreicher Forschung, sondern auch die Grundlage allen Unternehmertums. Sehr hilfreich für den nötigen Realitätsbezug, gerade als Chef eines Unternehmens, ist ein weiterer Spruch von Müller: 'Wenn Du eine Katze in den Ofen schiebst, erwarte nicht, dass ein Keks heraus kommt'."