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15.09.2005
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Soziale Kompetenz

Willkommen in der Wirklichkeit

Von Klaus Werle

8. Teil: "Sprung ins kalte Wasser"

Es ist ein häufig bemühtes Klischee, dass Personalentscheidungen Menschen treffen und keine Aktenvorgänge - für die Seitenwechsler ist oft die prägendste Erfahrung, dass dieses Klischee in der Welt vor der Bürotür Realität ist.

Gespräche als Medizin: Lufthansa-Manager Martin Böker (r.) unterhält sich mit einem Patienten in der Krankenstube für Obdachlose auf Hamburg-St. Pauli
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Ronald Frommann

Gespräche als Medizin: Lufthansa-Manager Martin Böker (r.) unterhält sich mit einem Patienten in der Krankenstube für Obdachlose auf Hamburg-St. Pauli

"Als Manager greife ich mit meinen Entscheidungen direkt in das Arbeitsleben von Mitarbeitern ein. Wenn dann noch persönliche Probleme oder Schicksalsschläge dazukommen, kann jemand in letzter Konsequenz sogar hier landen", sagt Martin Böker und zeigt mit den Händen auf die Tische mit den rot-goldenen Tischdecken im Aufenthaltsraum der Caritas-Krankenstube für Obdachlose in Hamburg-St.Pauli.

Böker, Leiter Controlling bei der Lufthansa Revenue Services, hat hier kürzlich über den Seitenwechsel eine Woche lang gearbeitet. Hat Blutdruck gemessen, Kleider ausgegeben, eingekotete Patienten gewaschen und desinfiziert. Viele Obdachlose kommen mit Hautkrankheiten hierher, mit Schürfwunden und Geschwüren. "Wichtiger als die medizinische Versorgung ist aber das Zuhören", sagt Böker.

Das kann der Lufthansa-Mann gut. Gerade sitzt ihm ein Mann im verwaschenen rosa Hemd gegenüber. Böker hat ihn damals zum Röntgen gefahren. Er ist sonst verschlossen, aber Böker erzählt er ausführlich vom Dalai Lama, den er in einer Zeitschrift entdeckt hat. Die beiden, der Manager mit schickem Appartement und der Obdachlose, reden über eine Stunde miteinander. "Ich konnte in dieser Woche in eine völlig fremde Welt sehen", sagt Böker, "es war ein Sprung ins kalte Wasser."

Wer den als Manager wagt, erweitert nicht nur seine soziale Kompetenz oder knüpft neue Netzwerke. "Engagement außerhalb des operativen Geschäfts beweist vor allem Durchhaltewillen und einen breiteren Horizont als eine Nine-to-Five-Einstellung", sagt Walter Conradi, der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Corporate Citizenship, "das sind Persönlichkeitsmerkmale, die bei Einstellungen oder Beförderungen mit Sicherheit positiv auffallen - weil sie auch dem Unternehmen nutzen."

Das ist jedoch längst nicht allen Firmen bewusst. "Es geht bei Corporate Volunteering nicht nur darum, Gutes zu tun", sagt Professor Habisch, "sondern um echten Mehrwert. Das Thema muss endlich raus aus der sozialen Ecke."

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