Von Michael Freitag und Wolfgang Hirn
Nach dem Spiel ist vor dem Spiel oder: Wie man rechtzeitig abtritt
Dafür halten Hoeneß und Rummenigge Vorträge vor Telekom-Managern, sie gewähren dem Sponsor regelmäßig Plätze im Mannschaftsflieger und schicken das Team zu einem Freundschaftsspiel nach Kroatien, weil dort die Festnetz-Marke T-Com eingeführt werden soll.
Im Gegenzug helfen auch die Topleute der Sponsoren mal, wenn es klemmt. Als dem Club im vergangenen Herbst plötzlich ein Minus von 30 Millionen Euro für die Saison 2004/05 drohte, verhandelte das Management mit den Sponsoren nach, die zehn Millionen Euro lockermachten.
Den Rest brachte der Jahresverlauf: Karl Hopfner gelang es, eine drohende Steuernachzahlung von sechs Millionen Euro zu vermeiden. Die Mannschaft gewann den DFB-Pokal, erreichte das Viertelfinale der Champions League und spielte so etwa 16 Millionen Euro mehr ein als erwartet. Das Ergebnis: wieder ein Jahr mit Gewinn. Der Abstand zur Konkurrenz hat sich weiter vergrößert.
Unumstrittener Marktführer, Stadion fertig, AG-Umwandlung gelungen, Verein kerngesund - was kann Uli Hoeneß da noch anstreben? Seine Auswechslung.
In eineinhalb Jahren sei Schluss, sagt er. Dann ist er 55, also im besten Manageralter. Doch er will nicht, dass er - wie so viele Manager - den richtigen Zeitpunkt zum Aufhören verpasst und es irgendwann später heißt: "Der alte Dackel macht es nun lange genug."
Doch Hoeneß fügt gleich hinzu: "Aufhören heißt ja nicht aufhören beim FC Bayern." Er will in den Aufsichtsrat wechseln. Und zwar Anfang 2007. Dieser Zeitpunkt ist ideal. Dann wird mit großer Wahrscheinlichkeit Franz Beckenbauer zum Uefa-Präsidenten gekürt. Hoeneß könnte also vom thronwechselnden Kaiser den Aufsichtsratsvorsitz der Bayern AG übernehmen.
Er möchte dann - das kündigt er jetzt schon an - nach wie vor ein Büro in der Säbener Straße haben. Er will ein starker AR-Chef sein.
"So wie der Herr Piëch bei Volkswagen", schwebt Hoeneß vor.
Da werden sich seine Nachfolger aber freuen.