Von Jonas Hetzer
Der Ton war abfällig, voll größtmöglicher Geringschätzung. "Wer kauft denn so einen Schrott?", schallte es durch das verrauchte Hinterzimmer eines noblen New Yorker Restaurants. Der Mann, dem die Attacke galt, erstarrte.
Gerade hatte er sich mit George Soros selbstständig gemacht, arbeitete für einen Hedgefonds - und noch heute, über drei Jahrzehnte später, gärt es in Jim Rogers, wenn er die Geschichte erzählt.
Rogers war an diesem Frühjahrsabend des Jahres 1974 für eine Investmentidee verspottet worden, die beim Gros des Wall-Street-Establishments als absurd verlacht wurde: ein Engagement beim Rüstungskonzern Lockheed. Die Firma machte Verluste, die Auftragsbücher waren leer, die Fabriken nicht ausgelastet. Kurz: Lockheed schien ein Sanierungsfall, unmittelbar vor dem Gang zum Konkursrichter.
Den damals 30-Jährigen interessierte die Malaise jedoch wenig, er schaute auf etwas ganz anderes. Nur wenige Monate zuvor waren im Jom-Kippur-Krieg den mit amerikanischen Waffensystemen ausgestatteten Israelis von den arabischen Gegnern schwere Verluste mit sowjetischer Technik zugefügt worden. Mitten im Kalten Krieg, so Rogers' Kalkül, konnte diese Schlappe nur eine Folge haben: Die damalige US-Administration würde Milliarden in neue Rüstungsprogramme investieren.
Der Hedgefonds-Manager behielt Recht, und Lockheed gehörte zu den Hauptprofiteuren der amerikanischen Aufrüstung. Der Kurs der Waffenschmiede hat sich zwischen Sommer 1974 und Frühjahr 1980 fast verzehnfacht.
Es war nicht das letzte Mal, dass James, genannt Jim, Rogers etwas sah, was andere nicht sehen wollten, und damit eine Menge Geld verdiente. Heute ist der Amerikaner ein schwerreicher Mann, und er trägt seine Investmentideen nicht mehr in Hinterzimmern, sondern vor den Augen von Millionen auf dem Fernsehschirm zu Markte.
Der 62-Jährige ist die Ikone der so genannten Contrarians, jener Anlegerspezies, die sich weigert, in der Masse mitzulaufen und die sich lieber auf die eigene Urteilskraft verlässt.
© manager magazin 7/2005
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