Von Wolfgang Hirn und Ursula Schwarzer
Bhagwan Shree Rajneesh verhieß vollkommene Erlösung dank Meditation und Gruppensex. Zivilisationsgeschädigte Intellektuelle und frustrierte Hippies folgten zu tausenden seinem Ruf.
Sie strömten ins indische Pune, das damals noch Poona hieß, hüllten sich in rote Roben, legten eine Art Hundehalsband um und opferten oftmals ihr gesamtes Vermögen für die Gnade, im Ashram des Bhagwans arbeiten und lieben zu dürfen.
Die Ergebenheit seiner Jünger zahlte sich für den "Erleuchteten" trefflich aus. Zu seinen Hoch-Zeiten verfügte Bhagwan über eine Flotte von 93 Rolls-Royce.
Vergangen und vorbei. Vom Vermächtnis des 1990 Verschiedenen kündet nur noch ein Meditationszentrum in einem Villenviertel Punes.
Die Stadt im Bundesstaat Maharashtra hat sich seit dem Abgang ihres berühmtberüchtigten Gurus in einen pulsierenden Wirtschaftsstandort verwandelt; die Einwohnerzahl ist von einer Million in den 70er Jahren auf rund fünf Millionen hochgeschnellt.
"Heute gehört Pune zu den wohlhabendsten und prosperierendsten Städten Indiens", sagt DaimlerChrysler-Statthalter Hans-Michael Huber. In seiner schneeweißen Fabrik am Rande von Pune montieren 350 Beschäftigte die E- und C-Klasse. Die 126 S-Klasse-Modelle, die Huber 2004 verkaufte, wurden als vorgefertigte Module aus Deutschland eingeführt.
DaimlerChrysler
arbeitet in Pune profitabel. Auch die beiden Autokonzerne Tata Motors
und Bajaj Tempo florieren. Die Fahrzeugindustrie, ihre Zulieferer und Bharat Forge, die größte Schmiedefabrik der Welt, bilden die industrielle Basis von Pune.
© manager magazin 5/2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH