Von Michael Freitag und Dietmar Student
Die Folgen des Ernst-Falls
Elf Jahre später steuerte die Familie erneut in eine tiefe Krise. Ernst Piëch (76), der Älteste aus der dritten Generation des Piëch-Stammes, verkaufte damals seine Porsche-Anteile heimlich an einen arabischen Investor. Er hatte sich mit Immobilienprojekten im Burgenland verhoben. Ein dreistelliger Millionenbetrag musste nun her, um die Papiere zurückzukaufen.
Einen Teil des Geldes holte sich der Clan, indem er Vorzugsaktien an der Börse platzierte. Fast 80 Millionen Mark zapfte er parallel dem prosperierenden Teil seines Imperiums ab: der Porsche Holding in Salzburg.
Die Folgen des Ernst-Falls, den der Porsche-Zweig später als "Verrat" geißelte: Die Salzburger Holding hält seitdem, versteckt in einer Stuttgarter Briefkastenfirma namens Porsche GmbH, ein dickes Aktienpaket der AG. Und die sorgsam gewahrte Parität ging verloren, wenn auch nicht in den Gremien. Ernsts Anteil blieb nicht in Händen der Piëchs, sondern wurde zu gleichen Teilen aufgeteilt. Heute gehören den Porsches durchgerechnet 53,7 Prozent, den Piëchs 46,3 Prozent der Stammaktien der AG.
Die Wirren in der Familienführung legten sich erst, als der Österreicher Helmut Sihler (heute 75) im Jahr 1993 zum Aufsichtsratsvorsitzenden der Porsche AG bestellt wurde. Der frühere Henkel-Chef, als weise Eminenz geachtet, moderierte geschickt zwischen den beiden Stämmen. Auch Konflikte zwischen Familie und Management erstickte er im Keim.
Heute wird eher subtil ausgeteilt. Die "Rivalität in den Genen", so ein Porsche-Vertrauter, sei nun einmal da. Ein ZDF-Beitrag über die großen Clans der Wirtschaftsgeschichte huldigte im Juli 2001 den Porsches, die Piëchs wurden weitgehend ausgeblendet und zeigten sich anschließend wenig amüsiert. Der Beitrag dürfte vorerst ein Unikat bleiben.
Die Familie ist doch eher eine diskrete, in sich gekehrte Macht. Gesellschaftlich tritt sie selten ins Licht, ihr politischer Einfluss ist gering. Einzig der lebensfrohe Wolfgang Porsche sticht ein wenig heraus aus der wortkargen und öffentlichkeitsscheuen Masse. Seine Frau Susanne, die eine Fernsehproduktionsfirma besitzt und einst "Bunte-TV" abdrehte, gehört gleichsam von Berufs wegen der Münchener Society an; Gatte Wolfgang geht dann halt mit. Aber das war's auch schon mit Pomp, Publicity und großer Politik.
Das Kerngeschäft des Clans ist nun einmal das Automobil. Dass sich Österreichs Bundesregierung nicht mehr in Mercedes-Karossen chauffieren lässt, sondern in den Audis und VW der Porsche Holding - das zählt.
Stuttgart. Zum Wesen dieser Firma gehören Zahlen. Magische Zahlen. 911 ist so eine. Selbst die Telefonnummer des Stuttgarter Autoherstellers beginnt mit den drei Ziffern, die für das erfolgreichste Porsche-Modell stehen.
Dem Porsche-Geschäftsbericht lassen sich etliche Belege für prächtiges Gedeihen entnehmen: 76.827 verkaufte Autos im vergangenen Jahr, 6,4 Milliarden Euro Umsatz, 1,1 Milliarden Euro Gewinn vor Steuern, 17 Prozent Umsatzrendite. Der Aktienkurs hat sich seit 1994 vervierzehnfacht. Die Porsche AG steht so glänzend da wie kein zweiter Autokonzern.
Das war nicht immer so. Das Geschäftsjahr 1991/92 schloss mit einem Verlust von 66 Millionen Mark ab, und das folgende Jahr - so viel war schon absehbar - würde noch schlechter werden. "Es war in der Zeit einfach nichts da: keine neuen Modelle, keine neuen Ideen, kein Geld", fasst einer der Beteiligten die trostlose Situation zusammen.