Freitag, 10. Februar 2012, 03:41 Uhr

manager magazin



20.08.1999
 

Umweltschutz

Moderne Formel

Wie die Ökoperformance den Shareholder-Value beeinflusst.

Seit Umweltschutz zum Wirtschaftsfaktor geworden ist, stellen sich Manager und Anleger immer häufiger die Frage, ob sich hohe Investitionen in den Umweltschutz und Shareholder Value miteinander vereinbaren lassen. Erst müsse der wirtschaftliche Erfolg her, dann könne man sich Umweltschutz im größeren Stil leisten, sagen die einen. Anders herum gehe die Rechnung auf, meinen die anderen: Nur wer in Umweltschutz investiere, werde auch den Unternehmenswert steigern. Es ist die alte Geschichte von der Henne und dem Ei. Wer hat Recht?

Um das herauszufinden, hat die Vermögensverwaltungsgesellschaft Sustainable Asset Management (SAM) aus Zürich sechs führende Ökounternehmen aus dem HUI-Ranking (3M, Johnson & Johnson, Bristol-Myers Squibb, Dow Chemical, Procter & Gamble sowie Pfizer) mit sechs Konzernen verglichen, die wenig für den Umweltschutz getan haben (Chevron, Eastman Chemical, Merck, Colgate-Palmolive, PPG Industries und Mobil Oil).

In einem sogenannten Backtracking vom 30. Juni 1994 bis zum 30. Juni dieses Jahres verfolgten die Schweizer die Entwicklung der gesamten Aktienrenditen beider Gruppen (Veränderung der Aktienkurse plus Dividenden). Dabei hat SAM die Untersuchung auf US-Konzerne konzentriert, um den Einfluss externer Faktoren wie Wechselkursschwankungen, makroökonomischer und anderer börsenspezifischer Größen, etwa einer speziellen Stimmungslage, möglichst gering zu halten.

Das Ergebnis scheint eindeutig. Innerhalb von fünf Jahren weist das Portfolio der ökologisch führenden Unternehmen eine Aktienperformance von 318,8 Prozent aus gegenüber 193 Prozent bei der Bummeltruppe (siehe Grafik). Das bedeutet eine um 9,2 Prozent höhere jährliche Rendite bei nur leicht höherem Risiko. Wer eine Million Mark in die Ökoleader investiert hätte, wäre in fünf Jahren um 1,24 Millionen Mark reicher als bei gleich hoher Anlage im Loser-Portfolio.

Dennoch warnt Alois Flatz, Researchspezialist bei SAM, vor voreiligen Schlüssen. So sei die bessere Performance der Vorreiter aus dem Ranking vor allem auch auf die gute Entwicklung der dort übergewichtig vertretenen Pharmawerte zurückzu- führen, während im letzten Drittel die schwächeren Ölwerte rangierten. "Trotzdem", so Flatz, "ist es sicher kein Zufall, dass Ölunternehmen auf der Basis gleicher Kriterien in der Top-50-Studie so viel schlechter abschneiden."

Aus finanzanalytischer Sicht aber sei es letztlich unerheblich, ob sich erfolgreiche Unternehmen höhere Umweltaufwendungen leisten können oder ob mehr Ökoeffizienz zu größerem wirtschaftlichen Erfolg führe. Entscheidend für die Bewertung der künftigen Erfolge sei vielmehr die Zuverlässigkeit des Indikators "nachhaltige Unternehmensführung", sagt SAM-Experte Flatz. Und dieser Indikator werde häufig unterschätzt.

Deshalb haben die Eidgenossen ein ausgeklügeltes Instrumentarium entwickelt, mit dem die Vermögensverwalter neben Umweltrisiken und -kosten auch die Chancen für innovative Produkte und Prozesse analysieren können. Das Rendite-Risiko-Profil sieht bei sogenannten Sustainability-Portfolios deutlich besser aus. Das dürfte vor allem für Investoren mit mittel- bis langfristigem Anlagehorizont interessant sein.

Neben innovativen Vermögensverwaltern à la SAM erkennen auch immer mehr Traditionshäuser diese Chancen. So bietet etwa die schweizerische UBS mittlerweile Eco-Performance-Fonds an. Das Motto: Doppelter Wohlstand halbierter Naturverbrauch.

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