Freitag, 10. Februar 2012, 03:45 Uhr

manager magazin



18.08.1999
 

Umweltschutz

"Ein bewegliches Ziel"

Von Brigitta Palass

Henkel-Chef Winkhaus über Öko-Leadership und Rendite

mm:

Henkel ist beim dritten Umweltranking des Hamburger Umweltinstituts mit deutlichem Vorsprung Sieger geworden. Was bedeutet das Ihrem Unternehmen?

Winkhaus: Wir freuen uns über eine solche Auszeichnung. Aber unsere Firmenpolitik richten wir nicht danach. Wir tun, was wir für richtig und wichtig halten. Wenn das von dritter Seite auch so eingeschätzt wird: umso besser.

mm: Sie haben Öko-Leadership zum strategischen Ziel Ihres Unternehmens erklärt. Wie weit hat sich Henkel dieser Vorgabe mittlerweile genähert?

Winkhaus: Es ist schwer, hier eine Endmarke zu definieren. Der Führungsanspruch in Umweltbelangen ist ein bewegliches Ziel. Deshalb haben wir es ganz klar in Bezug zu unseren ökonomischen Ansprüchen gesetzt.

mm: Was heißt das konkret?

Winkhaus: Wir sind eindeutig nicht die grüne Firma, die Umweltparameter auf Kosten der Gewinne und des Shareholder-Value einseitig maximiert. Das Verhältnis zwischen Ökonomie und Ökologie muss ausbalanciert sein.

mm: Umwelterfordernisse sind schon äußerst erfolgreich in wirtschaftliche Erfolge umgemünzt worden.

Winkhaus: Das ist richtig. Uns ist das Mitte der 80er Jahre erstmals mit dem Phosphatersatz Sasil gelungen. Die Verbraucher haben das sehr gut angenommen. Das war eine Idealsituation, in der alle Seiten gewonnen haben. Aber das klappt leider nicht so häufig. Heute funktioniert das im Waschmittelgeschäft überhaupt nicht mehr. Die Konsumenten erwarten, dass die Produkte leistungsfähiger und umweltfreundlicher werden, aber nicht teurer.

mm: Wo stehen die Chancen besser, Ökonomie und Ökologie in Einklang zu bringen?

Winkhaus: Zum Beispiel bei der Sicherheit. Jeder verhinderte Unfall bedeutet die Vermeidung von hohen Folgekosten und Umweltschäden. Deshalb haben wir uns ein genau quantifiziertes Ziel gesetzt, um hier Weltspitze zu sein.

mm: Wie setzt Henkel solche Vorgaben in die Praxis um?

Winkhaus: Die operativen Unternehmensbereiche definieren zunächst die Produktpolitik unter Berücksichtigung von Kundenansprüchen und Kosten. Dann werden in engem Dialog mit der zentralen Forschung entsprechende Produkte und Prozesse entwickelt. Weil dort auch die oberste Verantwortung für Umweltaspekte angesiedelt ist, werden diese von Anfang an einbezogen. Diese Integration funktioniert sehr gut.

mm: Welche Herausforderungen wollen Sie als nächste angehen?

Winkhaus: Neben der schon genannten Verringerung der Unfallziffern wollen wir verstärkt nachwachsende Rohstoffe verarbeiten, unsere Emissionen weiter senken und bis zum Jahr 2001 unsere Standards für Safety, Health und Environment konzernweit umsetzen ­ und bei all dem Weltmeister nach Renditegesichtspunkten werden.


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