Von Wolfgang Hirn und Ursula Schwarzer
Allerdings wollen die Menschen dort oft andere Produkte, als sie die in Japan, in der EU oder in den USA beheimateten Konzerne herstellen. Die Waren, die die Massen begehren, müssen einfach und billig sein. Aber solche Güter haben viele exportbegierige Unternehmen nicht im Angebot. Gerade deutsche Firmen mit ihrem Hang zum Overengineering scheuen sich, auch mal etwas simplere Produkte zu kreieren.
Der amerikanische Managementguru C. K. Prahalad fordert deshalb: "Der Westen muss bei der Produktentwicklung umdenken." Wenn das nicht gelingt, werden andere die Geschäfte machen. Und zwar Konkurrenten von morgen, an die hier zu Lande noch keiner denkt.
Beispiel Auto. Die meisten Brasilianer, Chinesen und Inder wollen ein schlichtes Fahrzeug, das Schlaglöcher aushält, über verschlammte Wege kurvt und bezahlbar ist. Der "Maruti" von Suzuki ist mit 5000 Dollar derzeit das billigste Auto eines etablierten Herstellers aus den Industrieländern - und trotzdem können ihn sich die wenigsten Menschen leisten.
Indiens großer Mischkonzern Tata
hat deshalb entschieden, ein eigenes Billig-Auto zu bauen. Es soll lediglich 2200 Dollar kosten. Spätestens 2008 will Tata damit auf den Märkten in Indien und anderen Staaten vorfahren.
Die Firmen in den Industriestaaten spüren: Sie müssen mit den neuen Konkurrenten aus den Schwellenländern rechnen, und zwar nicht nur auf den Märkten von Brasilien, China oder Indien, sondern auch auf ihrem eigenen Turf.
Aus bisher nationalen Playern wie Tata werden global auftretende Spieler. Vor ein paar Monaten kaufte der chinesische Elektrogigant Lenovo
die Computersparte von IBM
. Und der indische Multimilliardär Lakshmi Mittal schnappte sich die amerikanische International Steel Group (ISG). Damit ist Mittal Steel
jetzt der größte Stahlkocher der Welt.
Noch sind das Einzelfälle. Doch wir werden uns daran gewöhnen müssen, dass Chinesen und Inder unsere eigenen Firmen kaufen. Der Pkw-Hersteller Shanghai Automotive Industrial Corporation (SAIC) interessiert sich bereits für eines der ehemals ruhmreichsten europäischen Unternehmen: Fiat
.