Von Arno Balzer
Ist das wirklich nötig? Wieder ein neues Generationen-Label, wieder ein Etikett für Millionen Individuen? Schublade auf, Jugend rein, Schublade zu?
Am Anfang war Neugier. manager magazin wollte wissen, wie die heutigen Uni-Absolventen auf den wirtschaftlichen Stillstand reagieren. Ob sie ihren Platz im Wirtschaftsleben finden. Und ob sie Deutschland wieder nach vorn bringen.
In einer großen repräsentativen Umfrage unter Studenten im Hauptstudium hat mm erstmals in dieser Breite erforscht, welche Wünsche und Sorgen die junge Elite antreiben, wie sie ihre persönliche Zukunft einschätzt und welche Erwartungen sie an künftige Arbeitgeber hat. Die Studie, erstellt vom Meinungsforschungsinstitut Psephos, runden zahlreiche Interviews mit Absolventen ab. Entstanden ist das Porträt einer ernüchterten Generation.
Die "Twentysomethings" haben viel durchlebt. Kindheit im Wohlstand, Erwachsenwerden in der Dauerkrise, Studienabschluss in Zeiten von Rekordarbeitslosigkeit. Ihre Eltern gehören oft noch der 68er-Generation an, ihre älteren Cousins der Generation Golf.
Sie selbst scheinen ideales Futter für die Unternehmen. "Sie sind extrem realistisch und haben sich damit abgefunden, hart arbeiten zu müssen", so mm Redakteur Klaus Werle (31), der über Wochen in Hörsälen und Mensen seinen Fast-Altersgenossen nachgespürt hat.
Die meisten Absolventen, hat er festgestellt, nimmt das Managen der eigenen Biografie völlig in Beschlag. Gesellschaftliche Visionen, politisches Engagement - Fehlanzeige. Ihre Lebensentwürfe erinnern in gewisser Weise an die Anfänge der Bundesrepublik; zurück zu den 50er Jahren, als die ideologieferne "skeptische Generation" (so der Soziologe Helmut Schelsky) nur eines wollte und es dann auch bekam: das Wirtschaftswunder.
Hoffnung also jetzt wieder für Deutschland? Nicht unbedingt. "Dies ist die erste Generation, die Globalisierung nicht als abstrakte Veränderung erlebt hat, sondern als schlichte Realität", sagt Werle, "wenn nötig, sucht sie ihre Zukunft so selbstverständlich in San Francisco oder Kapstadt wie andere vor ihr in München oder Köln." 56 Prozent der Befragten fürchten, dass es in den nächsten Jahren notwendig sein könnte auszuwandern, um die eigene Existenz zu sichern.
"Generation Good-bye" haben wir die junge Elite deshalb getauft, auch als Mahnung für Politik und Wirtschaft. Denn wenn die Jugend geht, hat Deutschland verloren.
Die Titelgeschichte lesen Sie ab Seite 114 .
Eckhard Cordes (54) ist ein paar Jahre älter als die junge Elite. Der Mercedes-Chef kämpft aber mit ähnlichen Problemen. Sein Unternehmen hat eine große Vergangenheit und eine eher bedrückende Gegenwart. Und für die Zukunft ist er zuständig.
In seinem Büro im 13. Stock der Stuttgarter Mercedes Zentrale nahm sich Cordes zwei Stunden Zeit für manager magazin, um erstmals öffentlich seinen Masterplan zu erläutern. So viel ist danach klar: Mercedes steckt mitten in einem brutalen Umbruch, der keinen Raum lässt für Tabus. Zwei Wörter fielen während des Gesprächs besonders häufig: "konsequent" und "kompromisslos".
Das Interview mit Eckhard Cordes beginnt auf Seite 36.
© manager magazin 4/2005
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