Von Dietmar Student
Ist sie berühmt, seit Mannesmann? Nein, kein einziges Mal sei sie in ihrem Heimatdorf auf das Verfahren angesprochen worden: "Vielleicht, wenn's ein Mordprozess gewesen wäre."
Macht sie nun Karriere, nach Mannesmann? Nicht dran zu denken: "Richter lieben Unabhängigkeit. Wer aufsteigt, muss sie aufgeben."
So bleibt juristische Routine. Mit iranischen Menschenschmugglern hat sie es zu tun, mit betrügerischen Wertpapierhändlern, mit dubiosen Abrechnungen bei einer Betriebskrankenkasse.
Zur Juristerei sei sie durch Negativauslese gekommen, sagt sie. Lehrerin wollte sie keinesfalls werden, bei der Münchener Journalistenschule wurde sie nicht genommen. An Rechtskunde reizte sie dann doch der "Abstraktionsgrad", Jura als "Naturwissenschaft für den Geist".
Was schön rational klingt, aber ein bisschen gelogen ist. Ja, sie sei wohl in einen Juristen verknallt gewesen damals. So gibt es eben auch in einem Richterinnenleben bisweilen mehrere Wahrheiten.
Im Profil: Brigitte Koppenhöfer
Bekannt wurde Brigitte Koppenhöfer (53) als Vorsitzende Richterin im so genannten Mannesmann-Prozess. Das Düsseldorfer Landgericht sprach die sechs Angeklagten (unter anderem Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann) vom Vorwurf der Untreue frei. Es ging um zweifelhafte Millionenabfindungen für Mannesmann-Manager bei der Übernahme durch Vodafone
im Jahr 2000.
Die Düsseldorfer Staatsanwälte - mittlerweile auch unterstützt von Generalbundesanwalt Kay Nehm - legten Revision ein, ein Fall für den Bundesgerichtshof.
Koppenhöfer lebt mit ihrem Mann, einem Manager, Sohn und Tochter in der Nähe von Neuss. Als Jurastudentin verdiente sie sich einst ein paar Mark nebenbei - mit Gerichtsreportagen.