Von Dietmar Student
Als Brigitte Koppenhöfer (53) im Sommer 2004 den spektakulärsten Wirtschaftsprozess der Nachkriegsgeschichte nach souveräner, unaufgeregter Verhandlungsführung in erster Instanz beendete, hinterließ sie bei vielen Beobachtern das beruhigende Gefühl: Ja, es gibt in Deutschland eine unabhängige Justiz.
"Kein Respekt vor großen Namen", überschrieb die "FAZ" einen Artikel über die Richterin; als "Justitias mutige Retterin" pries sie die "Welt am Sonntag".
Die Zeiten solch blumiger Elogen sind vorbei. Alltag ist eingekehrt in Zimmer 105 des Düsseldorfer Landgerichts: ein Schreibtisch, eine Besprechungsecke mit zwei Stühlen, hinter einem giftgrünen Stoffvorhang die Nische mit Waschbecken und Spiegel. Laut tickt die Wanduhr. So wisse man stets, "wem die Stunde schlägt", sagt die Frau durch mittelschweren Parfümduft hindurch, mit einem Appeal in der Stimme, der für dreimal lebenslänglich reicht.
Noch nie im Laufe ihrer 25-jährigen Justizkarriere sei versucht worden, derart massiv auf einen Prozess Einfluss zu nehmen, erklärte sie nach der Urteilsverkündung: Angeklagte wie Ankläger instrumentalisierten die Presse, Politiker werteten vorschnell.
Fast alle Stammtische Deutschlands haben ihr geschrieben, Feministinnen wollten sie ganz für sich ("Endlich mal eine Frau, die einen wichtigen Prozess führt"); bevorzugt nachts ereilten sie telefonische Morddrohungen von geistig Verwirrten.
Polizeischutz lehnte sie ab; der Gedanke, die resolute Frau ("Ich habe starke Nerven") könnte sich in brenzligen Situationen selbst helfen, ist so abwegig nicht. Es gilt mit Fehlurteilen aufzuräumen: Angeblich sei sie 1,60 Meter klein, konnte sie lesen, in Wahrheit misst sie 15 Zentimeter mehr. Richtig gestellt hat sie das nie.
© manager magazin 3/2005
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