Es erwischte ihn am neunten Grün. Helmut H. (Name von der Redaktion geändert), Gründer und Leiter eines Unternehmens, das Verbrauchsgüter für Chemielabore herstellt und vertreibt, brach auf dem Golfplatz zusammen. Dem 51-Jährigen wurde schwarz vor Augen, das Herz raste, kalter Schweiß brach aus. Auf den Putter gestützt, ließ sich Helmut H. auf den Rasen gleiten.
Vier Wochen lang hatte es der schwäbische Mittelständler nicht geschafft, auch nur ein paar Bälle zu schlagen. Zu viele Termine von früh morgens bis abends, danach immer Geschäftsessen.
Auch die Wochenenden waren komplett verplant gewesen mit Messevorbereitungen und Auslandsreisen. Jetzt, im entlegensten Winkel des Golfplatzes, rang der Unternehmer nach Luft. Heftige Schwindelattacken ließen ihn erbrechen. "Ich dachte, ich müsste auf der Stelle sterben", erinnert sich der drahtige Mann heute.
So weit kam es damals, im vergangenen Sommer, zum Glück nicht. Der Notarztwagen brachte den Kollabierten auf die Intensivstation des Kreiskrankenhauses. Von dort wurde er nach einigen Tagen entlassen. Ohne präzise Diagnose, aber mit der Gewissheit, ganz und gar nicht gesund zu sein. H. brauchte Behandlung und Hilfe.
Für viele Menschen ist erst ein solcher Totalzusammenbruch ein Signal für ihre Hilfsbedürftigkeit. "Vor allem Führungskräfte leben in der irrigen Annahme der Unverwundbarkeit", sagt Manfred Schedlowski.
Der Professor für Psychologie und Verhaltensimmunbiologie baut an der ETH Zürich, einer der europäischen Eliteunis, gerade eine neue Abteilung zur Erforschung der Ursachen von Stress und zur Behandlung der Folgen auf - ein Zeichen für die zunehmende Bedeutung von Stress in weiten Teilen der Industriegesellschaft.