Von Arno Balzer
Herr Henzler, Bundeskanzler Schröder hat das Thema Innovation zur Chefsache erklärt und einen Innovationsrat mit Vertretern aus Wirtschaft und Wissenschaft ins Leben gerufen. Das Signal für den viel beschworenen Aufbruch in Deutschland?
Herbert Henzler
Antreiber: Als Vorsitzender der Bayerischen Forschungsstiftung und des Wissenschaftlich-Technischen Beirats der Bayerischen Staatsregierung setzt sich Herbert A. Henzler für Innovationsförderung in Deutschland ein. Daneben sitzt er in mehreren Aufsichtsräten und hält eine Honorarprofessur an der Münchener Ludwig-Maximilians-Universität.
Berater: Von 1984 bis 1998 stand der 1941 geborene Henzler an der Spitze von McKinsey Deutschland. 2002 wurde er in den Advisory Council von McKinsey und zum Vice Chairman des Advisory Board der Credit Suisse berufen.
mm: Warum so skeptisch?
Henzler: Erfahrungen mit Chefsachen haben wir: Die Halbierung der Arbeitslosenzahlen und der Aufbau Ost waren schon mal große Chefsachen - die Aktion "Greencard" war vor drei Jahren auch eine kleinere Chefsache. Sie hat sich als Fehlschlag erwiesen. Es sind weit weniger Ausländer zu uns gekommen als erwartet. Im Gegenteil: Viele haben Deutschland wieder verlassen. Wie sagt man so schön: Nicht das Erzählte reicht, sondern das Erreichte zählt. Was der Innovationsrat bisher an Projekten vorgestellt hat, genügt nicht, um den schleichenden Niedergang der deutschen Wirtschaft aufzuhalten. Wir rutschen doch überall ab, im Sport ebenso wie in der Spitzentechnologie.
mm: Reihen Sie sich damit nicht in die Riege professioneller Miesmacher ein?
Henzler: Wieso? Ich halte mich an Fakten. Hoechst und Bayer
beispielsweise gehörten vor 30 Jahren noch zu den größten Pharmaunternehmen der Welt. Hoechst ist verschwunden, Bayer rangiert bei Pharma auf Platz 17.