Von Eva Buchhorn
Mancher Manager wendet sich der Spiritualität zu. Hans Wielens, früher Chef der Bauspar-Tochter der Deutschen Bank, schart in der von ihm vor vier Jahren gegründeten "Zen-Akademie für Führungskräfte" Gleichgesinnte um sich.
Wo bleibt der Mensch im Manager?
Paul J. Kohtes (59), Gründer der PR-Agentur Kohtes Klewes:
"Als ich vor 20 Jahren anfing, mich mit Zen zu beschäftigen, haben meine Kollegen gedacht: Jetzt spinnt er. Ich wusste auch selbst nicht so recht, ob ich das kann: Stundenlang ruhig sitzen, an nichts denken, das ist für einen Manager die Hölle. Aber ich brauchte diesen Weg. Ich wollte mich nicht verlieren im Drill des Manageralltags.
Seit ich meditiere, nehme ich die Schönheit der Welt viel bewusster wahr. Hinter allem steckt eine wunderbare Ordnung."
Die Gäste schlafen in schlichten Doppelzimmern und essen vegetarisch, sie beziehen ihre Betten selbst und putzen eigenhändig die Gemeinschaftsklos.
In stundenlangen Meditationen in unbequemer Sitzhaltung bemühen sie sich, konzentriert-gedankenlos mit sich selbst ins Reine zu kommen.
Oder sie lauschen Vorträgen von Menschen wie Paul Kohtes (59), Gründer der PR-Agentur Kohtes Klewes und selbst seit vielen Jahren Zen-Anhänger.
Bis vor zwei, drei Jahren sei er mit solchen Thesen ausgelacht worden, erzählt Kohtes. Zu groß war die Abweichung von der Norm des kühl-rationalen Unternehmers. Heute hören ihm Manager, Chefärzte, Unternehmer zu.
Kohtes wollte herunterkommen von der Managerkrankheit, "Dinge erledigen zu müssen statt sie zu tun". Der Weg nach innen hat ihn bereichert: "Ich bin gelassener geworden und kreativer und kann mein Leben intensiver genießen."
In Unternehmen wie DaimlerChrysler oder Volkswagen zählen Klosterseminare zur Reflexion des Berufsalltags zum Weiterbildungsangebot. Der "Kongress christlicher Führungskräfte" etwa, der im Januar 2005 zum vierten Mal stattfindet, verzeichnet schon jetzt 2200 Anmeldungen.