Von Eva Buchhorn und Klaus Werle
Wenn es nach Heinz Schuler geht, müssen die Kandidaten für Topjobs künftig erst einmal an PIA vorbei. Schuler ist Professor für Psychologie an der Universität Hohenheim, er berät Großunternehmen bei der Bewerberauswahl.
Vielleicht hat er sein neuestes Verfahren deshalb mit einem Mädchennamen bedacht, weil PIA in Wahrheit alles andere als harmlos ist: Das "Persönlichkeitsinventar zur Integritätsabschätzung" ist ein kniffliger Fragebogen zum Aufspüren krimineller Neigungen. Ein Charaktertest also. Laut Schuler ist PIA bereits in etlichen deutschen Firmen im Einsatz.
Stefan Röhrborn ist Rechtsanwalt. Der Düsseldorfer Arbeitsrechtler entwirft Arbeitsverträge für Führungskräfte deutscher Großunternehmen. Bis vor ein paar Jahren umfasste ein solches Dokument vier, fünf Seiten Papier. Heute sind die Verträge leicht doppelt so lang. Ist als Arbeitgeber ein US-Unternehmen im Spiel, muss sich der Anwalt schon mal durch 40 Seiten Dienstwagenordnung wühlen.
Warum diese Regelungswut? Röhrborns Kunden haben Angst: "Meine Mandanten wollen sich gegen jedes Risiko absichern." Seit immer mehr Manager nach vorzeitiger Ablösung vor das Arbeitsgericht ziehen, begrüßen es auch die Unternehmen, wenn der Vorstandsaspirant seinen juristischen Berater zu den Vertragsverhandlungen gleich mitbringt.
Unternehmen prüfen Kandidaten auf kriminelle Gelüste, Manager erscheinen schon im Vorstellungsverfahren mit dem eigenen Anwalt - was ist eigentlich los in Deutschlands Führungsetagen? So viel Absichern, Abwehren, In-Deckung-Gehen, so scheint es, war nie.
Auf Vertrauensbasis läuft offensichtlich gar nichts mehr. Im Gegenteil: Vertrauen, einst Basis jeder Arbeitsbeziehung, lässt denjenigen, der sich darauf beruft, heute schon fast als hoffnungslos naiv dastehen.
© manager magazin 9/2004
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